Zeilenumbruch

Der private Blog von Lars Frantzen

Nach längerer Zeit mal wieder ein wenig Reisen. Mein Van ist endlich fertig! Mitte September war ich auf Fehmarn bei Monster Van, und habe ihn abgeholt. Monster Van hat auch ein sehr schickes Instagram-Video mit dem Wagen gemacht.

Fehmarn im September

Ein großartiges Monster! Darüber sollte ich beizeiten einen eigenen Beitrag schreiben. Ich konnte also noch wenigstens einen Trip machen, bevor der Wagen in den Winterschlaf gehen wird. Es ging über Berlin nach Italien. Hin durch Österreich, zurück durch die Schweiz, erstmal nach Haan. Da bin ich gerade, bevor es Ende der Woche wieder nach Berlin geht. Dank Owntracks gibt es auch eine Karte.

Karte der Reise

Nach einer Nacht irgendwo bei Nürnberg war der erste richtige Stop dann ein Campingplatz am Gardasee. Das war relativ furchtbar, also der Gardasee war wie immer bezaubernd, aber der Platz hatte alle Eigenschaften, die ich beim Campen versuche zu vermeiden. Enge Parzellen, rappelvoll, fast nur Deutsche, dazu ein schlechtes Restaurant. Aber ich brauchte ein wenig Schlaf, so wurden es zwei Nächte. Ich werde hoffentlich nie verstehen, was man an diesem Urlaubskonzept gut finden kann.

Gardasee

Dann ging es schnell weiter in Richtung Adria, bis nach Porto Recanati. Da konnte man dann ganz entspannt am Meer stehen.

Porto Recanati

Nächster Stop ein wenig weiter südlich – Giulianova. Es wird Zeit, das Monster zu präsentieren. Hier ein Portrait.

Giulianova

Da ich die Ecke schon ein wenig kannte, wollte ich noch was weiter in den Süden. Ich hab es dann bis nach Vieste geschafft. Da bin ich dann eine gute Woche geblieben. Der Platz war angenehm leer, so wie das Städtchen. Ich habe ein Faible für leicht ausgestorbene Orte glaube ich.

Vieste Strand

Es ist dann nur schwieriger ein geöffnetes Restaurant zu finden. Ging aber. Der Platz hat netterweise ein E-Bike zur Verfügung gestellt, sowas brauche ich beim nächsten Mal von Anfang an. Mit dem 7m Schiff fährt man ja eher ungern mal eben zur Pizzeria ins Dorf.

Ich hatte auch endlich mal wieder die Muße, eine Drohne zu fliegen.

Vieste Strand von Oben

Vielleicht schneide ich noch einen kurzen Film draus, mal sehen.

Dann ging es zurück, ich hatte mir kurzfristig in den Kopf gesetzt, noch die Amiga 40 in Mönchengladbach zu besuchen. Also ging es mit einem Zwischenstop am Gotthard Pass schnurstracks zurück nach Deutschland.

Gotthard

Und ich habe es wahrhaftig zur Amiga 40 geschafft, am Sonntag. Ich habe ja eine sehr sentimentale Bindung zu diesem Computer. Und es war wirklich großartig, dort zu sein. Auch da mein geschätzter Kollege Dataline dort sein neues und hervorragendes Spiel Callback vorgestellt hat. Und auf jeden Fall auch, da ich endlich einen Held meiner Jugend live getroffen habe – Chris Hülsbeck. Also Chris ist immer noch ein Held, man sollte ihm auf Patreon folgen.

Chris Hülsbeck

Besser hätte diese Reise nicht enden können! Jetzt bin ich noch ein paar Tage hier in Haan. Immer wenn ich hier bin, frage ich mich, wie ich dieses Wetter hier meine ganze Jugend ausgehalten habe. Ich weiß nicht woran es liegt, aber dieser Himmel hier ist eigentlich immer grau. Das fällt einem erst auf, wenn man längere Bekanntschaft mit einem oft blauen Himmel gemacht hat.

Mein Jahr im Van ist ja jetzt schon gute anderthalb Jahre her. Abgesehen von Indien habe ich seitdem fast ausschließlich in eher miesen Airbnbs in Berlin gewohnt. Das kann man mal machen, aber es reicht jetzt auch langsam. Wieder ein wenig im Van zu leben hat äußerst gut getan. Nächstes Jahr sollte dann aber auch wieder ein fester Wohnsitz dazukommen. Mit Vanparkplatz. Es fügt sich.

Berlin, 6.10.2002

Die Welt so nah, so rein. Nie ein Ende so sehr Anfang war! Welch farbgetränkter Tod der schwülen Fracht.

Alles so klar, so mein! Die Stille bahnt sich Ihren Pfad Berauscht die Luft – so sanft und immer sacht.

Endlich hinfort, der Schein! Klar vibriert des Zaubers Wille Zersetzt das Falsche bald mit aller Macht.

Es tritt hervor das Sein Schön, doch ohne wirres Flimmern Erscheint das Herz im Sinn - beseelt die Nacht.

Anfang des Jahres hatte ich in meinem alten Blog Driven Like The Snow einen Artikel über meine Erfahrungen mit Google Maps Bewertungen geschrieben, mit dem Titel Google Maps Rezensionen sind Bullshit. Der Artikel gehört zu denen, die häufiger aufgerufen werden, das Thema scheint viele Menschen umzutreiben.

An dieser Stelle ein kleines Update.

Google löscht weiter munter meine letzten Rezensionen, immer mit derselben Masche wie in dem obigen Artikel beschrieben. Hier ein weiteres Beispiel der AUREGIO – Tagesklinik und Laserzentrum:

★ Mit meinem 83 jährigen Vater wurde ein Abholtermin zur Untersuchung vereinbart. Es kam einfach keiner, und telefonisch ist keiner zu erreichen.

Grund der Löschung (Google nennt es Zugriffsbeschränkung): Diffamierung. Es bleibt ein Affenzirkus.

Die Stuttgarter Zeitung hat sich zu dem Thema bei mir gemeldet und mich und meinen Anwalt interviewt. Der Artikel ist jetzt online: Was kann ich tun, wenn meine Google-Bewertung gelöscht wird? (leider hinter einer Paywall).

Ich bin persönlich mit dem Thema durch, Google Maps nutze ich nicht mehr, auch nicht mehr zur Navigation (siehe auch den Artikel Oh Amerika). Es fehlt eine gute Alternative für Bewertungen, aber da Google Maps auch nur noch eine Werbeplattform für Anbieter geworden ist, und echte Rezensionen beliebig löscht, kann man darauf getrost verzichten.

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Ein schöner Anwendungsfall, um zu zeigen, was Digitalisierung in Deutschland im Jahre 2025 bedeutet, ist Einreichen einer Arztrechnung bei der privaten Krankenversicherung und Überweisung der Rechnung. Also das, was man mit jeder einzelnen Arztrechnung machen muss.

Was waren das für Zeiten, als man Arztrechnungen noch per Post bekam, und dann musste man die an seine Krankenkasse weiterschicken (auch per Post). Heute ist das alles längst digitalisiert! Kein Papier mehr, alles flutscht nur so mit wenigen Klicks durch dieses Netz. Konkret sieht das in meinem Fall so aus:

Email (PC)

  • Ich bekomme eine Email von dem Dienstleister, der für den Arzt das Rechnungswesen übernimmt. In dieser Email befindet sich ein PDF. Dieses PDF ist verschlüsselt, man kann es also nur mit einem Passwort öffnen.
  • Ich bekomme eine zweite Email. In dieser befindet sich das Passwort für das PDF der ersten Email. Jetzt kann ich das PDF auf meinem PC öffnen.
  • In dem PDF befindet sich ein weiteres Passwort. Und ein Benutzername. Und ein Link auf ein Patientenportal.

Webbrowser (PC)

  • Das Patientenportal will gar keinen Benutzername, sondern eine Rechnungsnummer. Die steht zum Glück auch in dem PDF. Ich kopiere also Rechnungsnummer und Passwort aus dem PDF in das Loginformular des Patientenportals.
  • Jetzt wird mir die Rechnungsübersicht angezeigt. Irgendwo auf der Seite ist ein Link “Komplette Rechnung anzeigen”. Ich klicke drauf.
  • Jetzt wird mir die eigentliche Rechnung im Browser angezeigt. Ich brauche aber die Rechnung als PDF, um diese bei meiner Versicherung einzureichen . Dazu gibt es irgendwo einen mini-Button, der die Rechnung herunterlädt. Ich speichere also lokal die Rechnung (als PDF) auf meinem PC. Jede Rechnung, die man so runterlädt, hat den praktischen Namen document.pdf.

Anmerkung: Es mag sein, dass es möglich ist, die bisherigen Schritte alle auf dem Handy auszuführen. Dann hat man jetzt die Rechnung als PDF auf dem Handy gespeichert. Ich stelle mir das unfassbar unhandlich vor (falls es überhaupt geht), aber ich will nicht ausschließen, dass es Leute gibt, die sich das antun.

  • Um Rechnungen bei meiner Krankenkasse einzureichen gibt es nur eine App für das Handy. Per Webbrowser geht das nicht. Mobile First! Ich muss also das PDF irgendwie von meinem PC auf mein Handy bekommen. Dazu schicke es mir selbst mit der Desktop App von Signal.

Handy

  • Ich öffne Signal auf meinem Handy.
  • Die PDF-Rechnung speichere ich via Signal auf meinem Handy ab.
  • Ich öffne die App meiner Versicherung (via Passwort oder biometrisch).
  • Jetzt kommen in der App die Schritte EinreichenBeleg erfassenPDF hochladenRechnung im Handy finden und auswählen.
  • Ich vergebe einen Namen für den Beleg.
  • Ich klicke auf “Einreichen”. Das wäre geschafft.

Jetzt muss ich noch die Rechnung bezahlen. Die Zahlungsdaten stehen in dem PDF der Rechnung. Netterweise steht dabei ein passender QR-Code, den ich mit der App meiner Bank einscannen kann. Dann muss man die ganzen Kontodaten nicht per Hand abtippen oder aus dem PDF herauskopieren.

  • Ich öffne die App meiner Bank (mittels Passwort oder biometrisch).
  • Ich öffne das PDF der Rechnung auf meinem PC.
  • Ich mache ein Foto mit meinem Handy von dem QR Code der Rechnung, die auf meinem Monitor angezeigt wird.
  • Ich veranlasse die Überweisung in der App.
  • Ich muss die Überweisung mit einer weiteren App meiner Bank bestätigen (mittels Passwort oder biometrisch).
  • Ich habe bezahlt.

Zusammenfassung

In der groben Kategorie “Applikationen” wurden diese benötigt:

  • Emailprogramm (PC)
  • Dateimanager (Explorer / Finder) (PC) (also wo speichere ich Dateien und wie finde ich die wieder)
  • PDF Reader (PC)
  • Webbrowser (PC)
  • Signal (PC)
  • Signal (Mobil)
  • Dateimanager (Mobil)
  • Krankenkassen App (Mobil)
  • Bank App 1 (für die Überweisung)
  • Bank App 2 (für die Authentifizierung der Überweisung)

Wenn man jede biometrische Authentifizierung auch als Passwort rechnet, waren in diesem Vorgang zudem fünf verschieden Passwörter beteiligt. Dazu kommen die obigen zehn verschiedenen Applikationen.

Nicht nur, dass dieser ganze “Prozess” unfassbar umständlich ist, er erfordert auch eine Menge an Equipment und Fachwissen darüber, wie die ganzen Applikationen funktionieren. Wesentliche Teile der Gesellschaft dürften hier nicht mehr mitkommen.

Es wird höchste Zeit, dass Digitalisierung mehr bedeutet als irgendein hingefrickelter Prozess, der ohne Papier auskommt. Wenn das Ergebnis umständlicher und wesentlich anspruchsvoller als der analoge ist, dann hat man sein Ziel verfehlt.

Man sieht hier auch, was für ein grober Unfug diese Mobile First Idee war, der alle blind nachgelaufen sind (wie jetzt beim Thema KI). Bei vielen Applikationen mag das Sinn machen, aber bestimmt nicht bei einer Rechnungsverwaltung. Ich möchte eine Vielzahl von komplexen Dokumenten wie mehrseitige A4 PDFs nicht mit einer Handyapp verwalten. Das ist toter Unfug.

Leider ist es die Regel, dass unfähige IT-Dienstleister deutschen Behörden und Unternehmen ihre katastrophale Software zu überhöhten Preisen verkaufen. Zum Leidwesen der Steuerzahler und Kunden.

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Es ist kein ganz leicht zu lesendes Buch, das Volker Weiß da geschrieben hat. Man merkt ihm deutlich den intellektuellen Anspruch an, was erstmal nichts Schlechtes ist, dann aber auch die Gefahr birgt, dass ein in dem Feld ungeübter Leser (wie ich), weniger Freude beim Lesen hat, und vor allem weniger versteht und behält. Und das ist ein wenig schade, da das Thema und der Inhalt des Buches von immenser und aktueller Relevanz sind.

Wer sich schon immer gefragt, was eigentlich “sozial” am Nationalsozialismus sein soll, warum sich extrem Rechte und Nazis gerade zu Russland hingezogen fühlen, und warum Ostdeutschland ein besonders fruchtbarer Boden für diese Tendenzen ist, der wird in diesem Buch Antworten finden.

Vor allem ist es faszinierend zu sehen, wie viel Spielraum in Begriffen steckt. Damit einhergehend dann die unausweichliche Verwirrung der Rechten bei Konflikten wie dem Ukrainekrieg. So recht passen die ganzen Ansätze nicht zusammen, und am Ende einigt man sich auf die Verteidigung der “weißen Rasse”, dem “Volk” und der “Tradition” als kleinsten gemeinsamen Nenner. Und auf den Hass auf alles, was dem fremd ist. Alles, was hiermit politisch einhergeht scheint nur Mittel zum Zweck.

Ein besonderes Augenmerk wird der bewussten Umdeutung von Sprache gewidmet, um Geschichte umzuschreiben und eigene Ziele von belastender sprachlicher Bedeutung zu befreien. Interessanterweise ein Verfahren, das ursprünglich aus dem progressiv linken Spektrum kommt.

Insgesamt lernt und versteht man viel über die aktuelle Strategie und Situation der extremen Rechten weltweit. Damit hat Volker Weiß ein wirklich wichtiges Buch geschrieben, was sicherlich noch wesentlich mehr Menschen erreichen könnte, wäre es etwas zugänglicher geschrieben.

Rezension ist auch auf BookWyrm erschienen.

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Es hat etwas gedauert, aber ich habe endlich Was Wir Von der Welt Wissen Sollten von Jens Bott zu Ende gelesen.

Hier meine Rezension auf BookWyrm:

Das Buch ist vollgepackt mit Wissen. Im ersten Teil werden Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Chemie, Biologie) behandelt, im zweiten dann dann geht es um Bewusstsein, Sprache, Philosophie, Gesellschaft und Ökonomie. Das alles wird sortiert und eingeordnet unter der Chronologie der Natur- und Menschheitsgeschichte.

Ein Buch kann natürlich keine tiefgreifenden Einführungen oder umfangreiche Überblicke über all diese Themen bieten. Es ist mehr eine Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte, und auch diese ist oft noch anspruchsvoll. Man sollte sich gerade im naturwissenschaftlichen Teil nicht davon abschrecken lassen, vieles nicht (ganz) zu verstehen. Als Motivation, tiefer in die Themen einzusteigen, eignet sich der Text jederzeit.

Der Autor bleibt bei seinen Betrachtungen stets nüchtern, was dem Text sehr gut tut, ohne dabei trocken zu wirken. Eine leicht hoffnungsvolle Grundhaltung lässt sich trotzdem herauslesen. Dies gepaart mit der Begeisterung des Autors für die Themenvielfalt macht das Buch sehr angenehm zu lesen.

Zusammengefasst ein tolles Buch, das einen an die unfassbar komplexe und spannende Welt erinnert, in der wir jeden Tag leben.

Etwas kritisch sehe ich die Überzeugung des Autors, dass das Gehirn Bewusstsein “erzeugt”, und dies eines Tages erlauben könnte, Bewusstsein elektronisch nachzubauen. Vielleicht aktuell eine der größten Fragen der Menschheit. Irgendwie ist es beruhigend, dass wir die Antwort nicht kennen. Und gleichzeitig sehr erschreckend zu sehen, wie stumpfsinnig und dumm viele gerade auf den KI Hype aufspringen, ohne auch nur ein grundlegendes Verständnis davon zu haben, was da wie passiert. Auch hier ist das Buch ein großartiges Hilfsmittel um die Bedeutung von Technologie auf die vergangene und aktuelle Menschheitsgeschichte zu verstehen.

Der Autor hat auch einen Blog Weltwissen. Dort findet man diverse Kapitel des Buches im Blogformat, und auch weitergehende Artikel.

BookWyrm ist übrigens eine schöne Sache im Fediverse, man findet mich auf der Instanz bookwyrm.de. Kommt doch mal vorbei.

Im Mai 1984 hat Herbert Grönemeyer seine legendäre Platte Bochum herausgebracht. Wie oft haben wir die rauf- und runtergehört... Einer der Songs darauf ist Amerika. Der Song richtet sich in erster Linie gegen die Stationierung von Raketen auf deutschem Boden und den kalten Krieg. Das alles im Schatten des NATO-Doppelbeschlusses. Heute sehen viele diesen Beschluss mit anderen, wohlwollenderen Augen. Immerhin ist aus dem kalten zunächst kein heißer Krieg geworden. Leider hat sich auch das geändert. Der große, alles vernichtende Atomkrieg ist bisher ausgeblieben, dafür gibt es kleinere, aber auch sehr tödliche Angriffskriege auf Europa (und anderswo). Russland mordet gerade täglich völkerrechtswidrig in der Ukraine. Der Einsatz von “kleinen” Atomwaffen (man nennt sie “taktisch”) steht durchaus im Raum und wird durch inkonsequentere Abschreckung wahrscheinlicher; ein “hybrider” Krieg mit diversen Staaten findet dauerhaft statt, und Amerika, bei Herbert noch der Retter in der Not, droht ebenfalls mit einem Angriffskrieg auf (das politische) Europa (Grönland). Dass wir eigentlich das Klima retten sollten, tritt dabei fatalerweise in den Hintergrund.

Für einen persönlich kann dies vieles bedeuten, hier geht es im Folgenden um die eigene digitale Existenz. Also unsere Daten. Emails, Texte, Photos, Standorte, Einkäufe, Bücher, Filme, Social Media, Musik, Kalender, Kontakte, Nachrichten im Messenger, und mehr. Alles oder vieles von dem ist bei den meisten Menschen mittlerweile digital. Und liegt auf Servern, die von U.S. Unternehmen betrieben werden. Erinnerung: U.S.A. sind die, die Grönland angreifen wollen, krumme Deals mit Russland machen, und sich einen Dreck um Recht und Gesetze scheren. Das ist jetzt keine Frage des Vertrauens oder des “nichts zu verbergen” Unsinns mehr. Wem seine Daten nicht völlig egal sind, muss jetzt handeln.

Dazu wurde dazu schon viel sehr Gutes geschrieben, zum Beispiel im Kuketz-Blog oder in der c't. Einiges davon habe ich umgesetzt. Hier ein kurzer, persönlicher Statusbericht.

Fangen wir bei den Dingen an, die jeder problemlos sofort tun kann. Amazon meiden zum Beispiel. Braucht man wirklich Prime? Bücher kann man wunderbar bei genialokal.de bestellen. Vieles gibt es bei lokalen Händlern, und die Waschmaschine kann man zumindest von Otto liefern lassen.

Google, Microsoft und Apple meiden, so gut es eben geht, ist auch eine sehr gute Idee. Die Google Suche kann man wunderbar durch andere Suchmaschinen ersetzen, ich bin gerade sehr angetan von searxng, zum Beispiel via Gruble. Falls man Chrome benutzt – browsen kann man auch (besser) mit zum Beispiel Vivaldi (auch auf dem Handy). Schaltet bei Google jedes Datensammeln aus. Verfasst und beachtet keine Google Maps Rezensionen, das ist eh nicht aussagekräftig. Navigieren kann man auch sehr gut mit der OpenStreetMap. Auf der basierend gibt es dann wieder dedizierte Navigationsapps wie Magic Earth. Auch einen Versuch wert ist Here WeGo.

YouTube Premium habe ich gekündigt. Dazu gehört auch ein werbefreies YouTube Music. Musik höre ich jetzt mit qobuz, großartige Sache mit guten Konzept.

Wer eine E-Mail Adresse bei Google, Microsoft oder Apple hat, wird sich davon eher ungern lösen. Aber es lohnt sich. Nichts lässt sich so gut dazu nutzen, Profile zu erstellen, wie E-Mails. Ich hatte so ziemlich mein ganzes Leben der letzten 15 Jahre bei Gmail abgebildet. Da jetzt auch noch die KIs ungefragt drüberrutschen, hatte Google eine wunderbare digitale Repräsentation von mir, von zutiefst Privatem über Einkäufe und Flugreisen. Glücklicherweise hatte ich eine eigene E-Mail Adresse bei Gmail genutzt, und konnte daher einfach meine Daten bei Gmail abziehen und zu meinem Provider zurückwechseln. Jetzt nutze ich wieder den guten alten Thunderbird.

Wer zusätzliche Dienste der Clouds von Google, Microsoft oder Apple nutzt, ist generell ziemlich in der Trump-Sackgasse. Dazu können gehören Kontakte, Kalender, Dateien, Notizen, Passwörter und Fotos. Es gibt zu alldem sehr gute Alternativen (siehe Links oben), ich habe fast alles davon jetzt in einer NextCloud versammelt. Die kann man sich für ein paar Euros klicken und ist fein raus. Man sollte bei Google, Apple, Microsoft, Amazon, etc., auch nicht vergessen, dass die einem den Account völlig beliebig und kommentarlos sperren können. Und das auch regelmäßig tun. Ist mir gerade bei Apple passiert. Dann ist alles, und auch wirklich alles weg. Und man hat erstmal null Chancen, das rückgängig zu machen. Absolute Willkür mit den wichtigsten persönlichen Daten. Wer sein Leben ernst nimmt, sollte sich dem nicht aussetzen.

Instagram nutze ich fast nur noch read-only. Kommt doch mal bei Pixelfed vorbei. Hallo sagen kann man mir auch bei Mastodon. Schwer tun sich viele auch seltsamerweise bei Messengern. Telegram ist hier die dümmste Wahl, alles liegt unverschlüsselt auf irgendwelchen Servern rum. Zu viel mehr als zum Kokainbestellen oder Schwurblerscheiße austauschen ist der nicht zu gebrauchen. WhattsApp ist da etwas besser, aber aus diversen Gründen auch eine schlechte Wahl. Leider hat sich WhattsApp so in den Alltag eingebrannt (gerade im Ausland auch gewerblich), dass es ohne manchmal nicht geht. Aber jeder kann sich problemlos Signal zusätzlich installieren, und es immer dann nutzen, wenn es geht. Damit ist schon viel gewonnen. Wer es genauer wissen will sei wieder auf die c't verwiesen.

Auf meinem Handy läuft jetzt GrapheneOS. Auch eine großartige Sache, aber leider nur für Besitzer eines Google Pixel Handys interessant. Bloggen tue ich hier mit WriteFreely, gehosted auf Uberspace. Und meinen Ort kann ich jederzeit Tracken via OwnTracks.

Zusammenfassend kann man festhalten: viele Dinge kann (und sollte) man problemlos und ohne Schmerzen sofort tun. Andere sind mit etwas mehr Aufwand verbunden, bringen aber oft auch den größten Nutzen. Einige Dinge sind je nach Situation realistisch (noch) nicht möglich. Wenn mein Business von YouTube oder Instagram abhängt, dann werde ich da erstmal bleiben müssen, zudem die Alternativen noch große Außenseiter sind. Es ist sowohl eine gesellschaftliche wie eine persönliche Perspektive. Wir haben uns in Europa politisch wie privat auf Amerika ausgeruht. Politisch zahlen wir gerade einen noch nicht abschätzbar enormen Preis dafür. Privat können wir das Schlimmste noch abwenden.

Und du weißt, daß du was tun mußt Wir werden dosiert zensiert Menschen achtlos diffamiert Wie eine träge Herde Kühe Schaun wir kurz auf und grasen dann gemütlich weiter Das Fernsehen redet uns tot Pflanzen sterben an Atemnot Wir warten immer zu lange Die Zeit rennt weg, wir müssen's angehn

Herbert Grönemeyer, Jetzt oder nie

Hier schreibt Lars Frantzen über dieses und jenes. Auf Deutsch. Eindrücke, Texte, Meinungen, sowas. Eher Persönliches, weniger Technisches. (Für das Technische gibt es Linefeed. Auf Englisch). Ansonsten findet man mich auch noch hier.

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Dieser Blog ist Teil eines umfangreicheren Umzugs raus aus den U.S. Clouds. Gehosted wird bei den großartigen Ubernauten. Diesen Beitrag hier tippe ich gerade mit Nextcloud Notes. Während ich im Bus sitze und durch die Abruzzen fahre. Dabei wird meine Fahrt getracked von OwnTracks. Alles gehosted auf Uberspace.

Irgendwann wird dieser Bus in Rom ankommen, und dann geht es weiter nach Berlin. Nach so einem halben Jahr freut man sich ja wieder auf die Hauptstadt. Im Mai werde ich auch mal auf Fehmarn nach meinem neuen Van sehen. An dem wird nämlich gerade fleissig geschraubt.

Alles Weitere dann auf diesem Kanal. Bis dahin, Lars