Driven Like The Snow

17 Feb 2024

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Am 16. Januar dann Final Destination Fuerteventura. Dachte ich zumindest. Das ganze dauert mit der Fähre so 30 Stunden von Cádiz. Ich sparte am Bett und versuchte es mit dem Liegesessel. Das geht. So gerade. Eine Nacht. Niemals mehr. Die Stunden vor der Nacht verbrachte ich hauptsächlich damit, die Regeln von One Deck Galaxy zu verstehen.

Cádiz Fuerteventura

Mein Vater war ja erfreulicherweise auch auf der Insel.

Faro Puno de Jandía

Ich verbrachte die meisten Nächte am Playa de Sotavento de Jandía. Da kann man auch schön Kiten, in der Lagune oder im Meer.

Playa de Sotavento de Jandía

Playa de Sotavento de Jandía

Campingplätze gibt es auf Fuerteventura nicht, und dann zeigt sich wie autark der Wagen wirklich ist. Zunächst war es schon mal sehr erfreulich, dass das Starlink funktionierte, obwohl ich nicht mehr in Europa war. Und da ich eine fette Powerstation mit 2x200 Watt Panels dabei habe, war dank des fast ständigen Sonnenscheins das Thema Strom auch kein Problem. Mit dem einen 90 Watt Panel auf dem Autodach wäre das nichts geworden. Schwieriger wird Wassernachschub. Ganz schwierig ist die Entsorgung des Abwassers. Da gibt es auf Fuerte nur sehr wenige Stellen. Jetzt merkte ich, wie ungeeignet Chemietoiletten sind, geradezu absurd, dass Hymer sowas in so einen Wagen einbaut.

Drohnen am Strand

La Pared

Als mein Vater die Heimreise antrat sollte so einiges in die Brüche gehen. Es fing an mit meinem Auto. Die Motorkontrollleuchte ging an, und der Wagen beschleunigte nur noch sehr langsam.

Offroad mal Anders

Bei dem Mercedes hab' ich ja diese Mobilitätsgarantie. Die sorgte dafür, dass der spanische ADAC den Wagen abholte. Dann wurde alles zu einem echten Roadmovie. Nur ohne Auto. Da es auf Fuerte keine passende Werkstatt zu geben scheint, wurde der Wagen nach Gran Canaria gebracht. Das dauerte schon mal eine komplette Woche. Die ich mich in Hotels einquartieren musste, aus einer Ikea Tüte lebend. Ich war gestrandet und wusste nicht, wann und wie es weitergeht. Langsam fühlte ich mich ein wenig wie Viktor Navorski.

The Cleanest I've Been – No More

Die Hotelkosten werden nur für drei Tage übernommen. Und einen Ersatzwagen habe ich auch nicht bekommen. Mobilitätsgarantie hatte ich mir anders vorgestellt. Netterweise hat man mir auch gleich gesagt, dass man den Wagen zwar nach Gran Canaria bringt, aber nicht zurück nach Fuerte. Da musste ich aber hin zurück, um meine Fähre nach Cádiz zu erwischen. Es wurde alles langsam eng mit der Zeit, kein Surfen mehr, dafür teure Hotels und miese Shows. Und zu viele Drinks.

Ich bin in Haan auf das Haaner Gymnasium gegangen. Warum auch immer war dies die einzige Schule weit und breit, die keinen besonderen Namen hatte, einfach nur Haaner Gymnasium. Irgendwann wollte man das ändern, und es wurden Vorschläge gesammelt. Ich hatte Charles Bukowski Gymnasium vorgeschlagen. Es war wenig überraschend, dass das keine Aussicht auf Erfolg hatte. Es wurde dann irgendwie gar nichts ausgewählt, es ist bis heute das Haaner Gymnasium. Immerhin hatte ich noch die Gelegenheit ein Gedicht von Bukowski in der Schülerzeitung unterzubringen. poem for Dante

... ride bicycles ... (Analog, Düsseldorf)

Beim Auschecken im ersten Hotel hatte ich auch eine Getränkerechnung wie Charles Bukowski. In jeglicher Hinsicht Fuerteventura Breakdown. Erst das Auto, dann ich. Wäre ich Bukowski wäre Fuerteventura Breakdown ein toller Titel für ein Gedicht. Bin ich aber nicht. Es hat aber auch etwas heilsames, wenn all das, was einen gerade noch umgibt, in eine Ikea Tüte passt.

Fähre nach Gran Canaria

Als nach über einer Woche immer noch nicht klar war, wann der Wagen fertig sein würde, und wie ich dann nach Gran Canaria kommen soll, bin ich auf eigene Faust auf die Fähre. Da fährt zum Glück eine in Morro Jable ab, da war ich ja eh'. In Gran Canaria dann gleich in ein Taxi und ab zu Mercedes. Die hatten aber zu. Alles hatte zu. Da stand ich dann, mit meiner Ikea Tüte, irgendwo auf Gran Canaria. Es war Feiertag auf der Insel. Karneval.

Karneval 2013

Manchmal im Leben hast Du nur die Wahl zu verzweifeln, oder dich kaputtzulachen über die Absurdität der Situation. Ich habe mich dann für das Letztere entschieden.

Raving Rob (Shooting in München)

Also wieder in ein Hotel. Dann hoch in den achten Stock in die Stage Sky Bar & Lounge. Mit Mineralwasser. Bevor das noch zu Leaving Gran Canaria wird. Dabei konnte ich stundenlang Menschen dabei beobachten, wie sie daran scheiterten den Whirlpool zum Blubbern zu bringen. Ich fing an zu akzeptieren, in einer Tragikomödie zu leben.

Am nächsten Tag wurde alles noch ein wenig bizarrer. Die Mercedes-Niederlassung erklärt mir, der Wagen sei bei einer ganz anderen Zweigstelle am anderen Ende der Insel. Jene Zweigstelle hat dann nach diversen Emails und Telefonaten verlauten lassen, dass sie den Wagen noch gar nicht angesehen haben, da irgendwelche Daten fehlen. Ich telefoniere weiter, irgendjemand verspricht, das mit den Daten nachzuholen, aber jeder behauptet was anderes. Es ist jetzt Mittwoch. Sollte der Wagen bis Freitag nicht fertig werden, würde ich alle gebuchten Fähren verpassen. Es wurde Zeit, über einen Flug nachzudenken, und den Wagen rückführen zu lassen. Ich trotte zurück ins Hotel. Rosenblätter liegen auf dem Bett. Auf dem Tisch eine Flasche Sekt. Eine Karte wünscht einen glücklichen Valentinstag. Die Welt behielt ihren leicht zynischen Humor bei. So wurde es wenigstens nicht langweilig.

Hotel Cava (Polaroid, Shooting in Karlsruhe)

Donnerstag. Ein Lichtblick. Es wird ein Sensor bestellt. Wenn alles gut geht, ist der noch rechtzeitig da. Das wäre dann wirklich auf die letzte Minute. Die letzte Woche war in jeglicher Hinsicht sehr ernüchternd. Dafür komme ich immer mehr in Form. Das Wetter auf den Kanaren ist zudem wirklich fast ohne Unterlass eine Freude. Ich denke, nächsten Winter bin ich wieder hier. Dann ist ja auch mein Van fertig. Von Gran Canaria bekomme ich nicht so viel mit, bin hier die ganze Zeit in Las Palmas im Hotel. Zudem arbeite ich, und ohne Auto fehlt mir etwas die Motivation dazwischen rumzureisen. Es gibt hier sogar einen Sightseeing-Bus. Gran Canaria ist (zumindest hier) total anders als Fuerteventura, viel belebter und “erschlossener”. Irgendwie ist es gerade ganz angenehm, ein wenig Straßenlärm aus meinem Zimmer im vierten Stock zu hören.

Ich erwache, nachdem ich im Traum ausführlich versuche jemandem zu erklären, was Kategorientheorie ist. Ich weiß nicht, ob ich das richtig erklärt habe, ist lange her. Vielleicht hätte ich an der Uni bleiben sollen. Die aktuellen Wellen zum Personalabbau sind ja auch nicht ganz zu ignorieren. Zum Glück ist mein Job großartig. Im Hörsaal fühlte ich mich doch immer zu Hause. Vor allem in meiner Alma Mater, der unübertroffenen TU Berlin. Bald bin ich ja wieder an der Spree. Und zudem, nicht alle News sind schlecht, eine Eidechsenart wurde nach Bruce Dickinson benannt. Enyalioides dickinsoni. Es ist Freitag. Showdown. Und es passiert tatsächlich, ich kann den Wagen abholen. Unfassbar. Am Abend parke in der Nähe des Hafens und liege Judas Priest hörend wieder in meinem Auto, herrlich. Morgen früh um 8 geht die Fähre zurück nach Fuerte. Abends dann weiter nach Cádiz.

Living on the Edge (Analog, Shooting in Köln)

Samstag. Wieder auf Fuerte, das hat schon mal geklappt. Heute Abend sollte ich dann wahrhaftig noch meine Fähre zurück nach Cádiz bekommen. Alles nach Plan wieder, wer hätte das gedacht. Ein letzter Abstecher zum Playa de Sotavento. Wind, keine Wolken. Alles etwas karg, aber das macht es gerade so wertvoll. Fuerteventura hat halt seinen eigenen Charme. Da die Fähre erst am Abend ablegt und länger braucht als hin, werden es jetzt zwei Nächte auf der Fähre. Montag früh sollte ich ankommen. Vielleicht bekomme ich doch noch eine Kabine, zwei Nächte im Liegesessel klingen nicht gut. Aber ich kenn' ja jetzt die Regeln von One Deck Galaxy.

01 Mar 2024

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Der März ist da, mein Jahr im Van ist vorbei. Es kommt mir eher vor wie drei Jahre, ein gutes Zeichen. Ich werde da sicherlich noch was zu schreiben, hier erstmal ein Video, das meine Erfahrungen mit dem Wagen zusammenfasst.

23 Apr 2024

Man kann es kaum glauben, wir nähern uns dem Mai. Auch wenn es sich gerade eher nach November anfühlt, hier in Berlin. Um es mit Hesse zu sagen, ich bin wieder in der Provinz der Bürger. Und kein Monat kann dem Mai das Wasser reichen, wenn es um das Erwachen beseelter Gefühle geht, zumindest wenn man den Dichtern glaubt. Aber noch haben wir April, daher beginnt dieser Beitrag mit einem kurzen Vers des fünfzehnjährigen Hesse.

Wir fluchen so oft dem Monat April: Er zeigt uns des eigenen Lebens Spiel, Er zeigt uns den Wechsel von Leid und Scherz, Er zeigt uns so treu das eigene Herz.

Ich hatte noch eine Menge Drohnenmaterial aus Portugal und Spanien (und am Ende ganz kurz Fuerte), das zu schade gewesen wäre für die Tonne. Daher habe habe ich noch ein Video draus gemacht. Die Musik kommt diesmal nicht von mir, sondern von dem großen Vorbild Chris Hülsbeck (siehe auch Computerliebe).

Der KBC (Kiteboarding Club) hat aus dem Material auch ein kleines Instagram-Video gemacht.

Man möchte ja umgehend wieder hin! Berlin kann es aber auch immer noch. Aktuell Neukölln, ab Mai dann Mitte, bis in den Sommer. Soweit reicht das Auge gerade. Morgen dann mal nach langer Zeit wieder zu Alba. Und einen Gutschein für die Philharmonie habe ich auch noch dabei. Es gibt also keinen Grund zur Klage.

Gerade ist es ja eher Winterschnee als Frühlingserwachen. Da passt am Ende wieder ein Gedicht von Hesse (da war er immer noch fünfzehn, geschrieben für ein Fräulein Eugenie Kolb).

Du weinst, weil deine grüne Au Im Winterschnee erfror, Weil unsres Himmels tiefes Blau in Wolken sich verlor?

Du weinst, weil alle Vögelein Entflohn mit ihrem Lied, Weil der geliebte Sonnenschein Mit Licht und Wärme schied?

O sing ein Lied vom schönen Mai, Vom Grün in Busch und Baum, Und ungesehn kommt Lenz herbei Und weckt dich aus dem Traum.

Freudiges Erwachen.

27 Jul 2024

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Die EM ist vorbei, und ich hab' kein einziges Spiel gesehen. Und es ist fast ein Quartal her, dass hier was geschrieben wurde. Ich bin ja gerade in Berlin, zum Reisen kam ich nicht so wirklich. Aber nun war ich ein paar Tage in Rom. Und jetzt kommt doch kurz der Fußball ins Spiel, denn wenn ich Rom denke, kommt sofort Udo Jürgens und singt mit der Nationalmannschaft von 1990.

In Italien hab' ich vor einiger Zeit mal anderthalb Jahre gelebt, in Pisa.

Toscana Fanboy (so um 2006)

Als Wissenschaftler am Nationalen Forschungsrat (CNR). Auch wenn das auf dem Photo nicht so aussieht. Das war mein Twingo, übrigens. Man beachte auch die Straßenkarte. An die Zeit erinnere ich mich äußerst gerne zurück. Pisa ist eine großartige Stadt zum Leben. Toscana Fanboy. Bitte mit diesem Song einstimmen. Jetzt.

Danach war ich unverzeihlicherweise nicht mehr in Rom. Letztes Jahr bin ich ja nur bis zum Gardasee gekommen. Und während ich hier in Berlin so von Wohnung zu Wohnung hoppte, passierten auf einmal sehr wunderliche Dinge, im besten Sinne.

Thank you, we love you

Und auf einmal war ich wieder in Rom. Ohne Mercedes. Besser.

Und wir sind sogar trotz Windows-Update halbwegs pünktlich wieder in Berlin angekommen. Jetzt wohne ich erstmal in einem netten Hotel an der Havel. Auch wenn das Internet hier eine Katastrophe ist. Warum gibt es im Jahre 2024 eigentlich noch Hotels, die es nicht auf die Kette bekommen, anständiges Internet bereitzustellen? Und warum muss ich Mercedes Benz verklagen, weil die ihre Mobilitätsgarantie nicht erfüllen? Warum hat mein Abo-Corsa nach drei Tagen einen Getriebeschaden? Bahnfahren kann man ja auch nicht mehr. Und Ryanair übertrifft Lufthansa bei weitem, wenn es um Verlässlichkeit geht. Deutschland ist mittlerweile zu einer weltweit anerkannten Lachnummer geworden. Politisch zum gefährlichen Trauerspiel. Vor den Landtagswahlen im September graut es mir immer mehr.

Was war das im Rückblick für eine ansehnliche Welt, in den 80ern. Die Achse Berlin–Rom war düstere Vergangenheit, keine aufstrebende Zukunft. Und braun war in erster Linie der Braune Bär am Kiosk. Also Büdchen. Wir dachten tatsächlich, Ronald Reagan wäre ein problematischer Präsident. Wie unfassbar großartig wäre das, wenn Ronald der heutige Kandidat der Republikaner wäre, was für ein anständiger Lichtblick im Vergleich! Man wird das Gefühl nicht los, dass sich die Menschheit tatsächlich der Idiocracy zugewandt hat. Soviel Verblödung wie gerade weltweit aufstrebt hat schon etwas Surreales. Beruhigen wir uns mit Spliff.

Aber es gibt dann doch noch neuentdeckte Lichtblicke, die Flipperhalle Berlin zum Beispiel.

Oder das Konzert mit Yuja Wang in der Philharmonie. Aber es wird langsam eng, am besten man beobachtet Deutschland erstmal ein wenig aus der Ferne. Mach' ich dann auch. Ein paar Tage Istanbul (in diesem Beitrag ist ein geheimer Hinweis versteckt). Italien. Indien. Der Schnee taut.

03 Nov 2024

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Scientists tell us that we have enough technology to save our planet, but psychologically, we are not capable. We are not peaceful, enlightened, or awake enough to do it. That is why, while scientists are trying to discover ways to improve our technology, we as members of the human race have to practice so that we can transcend our fear, despair, forgetfulness, and irresponsibility. A collective change of consciousness will bring about a new way of life, a mindful way of living. The technology that is available to us will be enough to help us save this planet.

Thich Nhat Hanh

Und wieder ein Quartal vorbei. Aber ich kann mich nicht über Langeweile beschweren. Ich kann auch nicht sagen, dass Istanbul schön war, dann ich hab' nichts von der Stadt gesehen außer der Haartransplantationsklinik. Dafür kann ich nach Dekaden wieder behaupten, Shampoo zu benutzen. Mal sehen, was draus wird. Sowas dauert ja Monate, bis man da das Ergebnis sieht. Danach kam ein wenig die Adria. Da war die Saison zum Glück vorbei, also kein Remmi-Demmi, sehr angenehm.

Letztes Jahr zu dieser Zeit war ich in Tarifa. Die aktuellen Überschwemmungen in Spanien sind schon erschreckend, weit weg wäre ich nicht davon gewesen, selbst Málaga ist ja betroffen. Und während die Welt so vor sich hin kollabiert haben die Deutschen wie befürchtet wieder im großen Stil die Nazis gewählt, in drei Bundesländern. Und übermorgen können im ganz großen Stil die Nordamerikaner nachlegen. How Democracies Die. Hören wir dazu The Cure.

Wenn man so über das Ganze nachdenkt, bekommt man den Eindruck, Demokratien haben einfach ein prinzipielles Problem, sie können keine unpopulären, aber notwendigen Entscheidungen durchsetzen (wie die Rettung der Welt und sowas). Populus wählt halt. Zumindest keine Entscheidungen, die genug Aufmerksamkeit erregen. Denn es gibt immer irgendeine Idiotenpartei, die dann das Gegenteil fordert, behauptet, das sei alles nicht nötig, und was geht uns das alles überhaupt an! Und schon muss man vermeintlich relativieren oder sogar auf den Zug aufspringen. AfD und BSW sind die besten Beispiele. Mit Vernunft oder Wissenschaft kann man da nicht mehr kommen, weil das interessiert eh kaum noch jemanden. Jedem seinen Guru. Auch wenn es Guru Geistlos ist. Guru ist ein gutes Stichwort. Ich bin in Indien. Aber dazu später.

Also wenn es Demokratien nicht schaffen, die aktuellen, fundamentalen Probleme der Welt zu lösen, dann wird es eng. Ich hab ja schon mal Graeme Maxton erwähnt, und auch Francis Fukuyama, und ich bin da ganz bei letzterem und glaube fest an liberale Demokratien, aber irgendwie klappt es nicht mehr so richtig. Die Ampel war eine Kapitulation vor der Demokratie, ein infantiles, würdeloses Rumgehampel. Da wundert es nicht, wenn die Radikalen aufstreben. Und Vorschläge, die Menschen mehr in politische Entscheidungen einzubeziehen, machen mir eher Bauchschmerzen. Vielleicht auch dank Social Media fühlt man sich ja jetzt schon manchmal eher wie in einer Ochlokratie.

Repräsentative Demokratien ziehen zumindest eine Abstraktionsebene zum Volk ein, auf der man halbwegs vernünftig arbeiten kann (und auch kleine unpopuläre Dinge entscheiden). In irgendeinem Podcast machte jemand den bemerkenswerten Kommentar, dass es gerade mehr Abstraktion ist, die es erlaubt größere, wichtige und unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Die EU zum Beispiel. Die hat ein Verbrenner-Aus entschieden, sowas hätte Deutschland niemals beschlossen, auch nicht repräsentativ. Aber selbst Herr Habeck torpediert diese Entscheidung ja gerade, ich weiß jetzt gar nicht mehr, wen ich wählen soll. Und wann wird Abstraktion undemokratisch? Und wie wichtig ist das gerade noch? Und wie demokratisch sind unsere Demokratien eigentlich? Wenn nicht (immer) der gewinnt, der die meisten Stimmen bekommt? Wenn die große Mehrheit der Wähler von ihren Entscheidungen gar nicht mehr groß betroffen ist (Demographie)? Und die, die betroffen sind, demzufolge eine Minderheit, die den Entscheidungsprozess demokratisch nicht wirklich beeinflussen kann? Man könnte all dies lösen, und trotzdem eine liberale Demokratie bleiben. Man müsste Demokratie nur zeitgemäß implementieren, so dass sie unpopuläre, aber wesentliche Entscheidungen treffen kann (determiniert durch Wissenschaft), möglichst fair die Macht verteilt (durch Mathematik und fairer Stimmgewichtung). Aber das ist leider auch ein Problem der Demokratien, man kann sie mit ihren eigenen Mitteln abschaffen. Macht macht viele Menschen krank. Wir sollten das in Deutschland am besten wissen. How Democracies Die.

Das war der gute-Laune Teil dieses Beitrages. Alles sehr global, und wahrscheinlich hat Thich Nhat Hanh recht, ohne einen kollektiver Bewusstseinswandel werden uns neue Prozesse, Systeme, Algorithmen (selbst die komplizierten, künstlich intelligenten) nicht retten. Und kollektiv betrifft ja jeden Einzelnen. Und da ist man sich ja auch gleich wesentlich näher. Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass wir in den 40ern und in den 60ern beschleunigt altern. So gesehen auch gut, dann steht mir ja bald wieder eine Alterungsverlangsamung bevor. Zudem habe ich ja jetzt mehr Haare.

Es hilft übrigens auch nicht dabei, jung zu bleiben, wenn man ständig trinkt und raucht. Gerade Alkohol war ja lange ein steter Freund in meinem Leben. Ich hab' diese toxische Freundschaft dann irgendwann gekündigt, komplett, und scheine damit gerade sehr im Trend zu liegen. Selbst in München steht man für alkoholfreies Bier Schlange, unfassbar. Als ich noch in München gearbeitet habe galten drei Weizen zum Mittag als Microdosing. Man kann ja vielleicht sogar bald ohne betrunken zu werden weitersaufen, dank eines neuen Protein-Gels. Aber das klingt dann doch etwas bemüht. Meine Fettleber war übrigens irgendwann weg. Es lohnt sich.

Zum Thema Alkohol habe ich letztens ein wirklich empfehlenswertes Buch entdeckt, das auch die Brücke zur Spiritualität schlägt. Es sind ja manchmal Bücher, die einem so über den Weg laufen, und da steht dann auf einmal sehr viel Erhellendes drin, was man schon lange gesucht hatte. Mitte der 90er war es zum Beispiel das Buch The Stormy Search For The Self von Stanislav und Christina Grof, welches mir endlich so einiges erklärte, für das ich schon recht lange eine Erklärung gesucht hatte. Grof hat unter anderem Holotropes Atmen entwickelt, was ich dieses Jahr endlich mal ausprobiert habe. Es ist schon äußerst beeindruckend, welchen intensiven Effekt diese Technik haben kann, ganz ohne Drogen. Wer tiefer in seine Psyche eintauchen will, sollte Holotropes Atmen ausprobieren, bevor man sein Seelenheil unerfahrenen Möchtegerncoaches/-trainern unter Ayahuasca oder LSD ausliefert.

Drogen spielen auch eine maßgebliche Rolle in diesem eben erwähnten Buch, das mir Anfang des Jahres wie einer dieser glücklichen Zufälle begegnete. Und es ist faszinierenderweise wieder ein Buch von Grof, diesmal nur von Christina – The Thirst for Wholeness.

Es geht in erster Linie um Alkohol, aber auch generell um Süchte und Abhängigkeiten, und deren Bezug zu der spirituellen Suche des Menschen. Zwei Dinge, die man erstmal nicht unbedingt in einem Satz nennen würde – Süchte, und die Suche nach Ganzheit. C.G. Jung schreibt 1961 in einem Brief an Bill Wilson:

His craving for alcohol was the equivalent, on a low level, of the spiritual thirst of our being for wholeness, expressed in medieval language: the union with God. You see, “alcohol” in Latin is “spiritus” and you use the same word for the highest religious experience as well as for the most depraving poison. The helpful formula therefore is: spiritus contra spiritum.

Christina beschreibt das generelle Dilemma des Menschen, an Dingen anzuhaften, und der Buddhismus lehrt Anhaftung als eine Ursache des Leidens. Sucht (addiction) wird in dem Buch eingeordnet als extreme Form der Anhaftung (attachment). So, genug des Rausches.

Ich sitze hier gerade auf einem Sofa in Mandrem, Goa, und freue mich sehr über die neue Waschmaschine. Es gibt hier wahrhaftig Waschmaschinen, die nur kalt waschen. Aber unsere kann auch warm. Und es gibt Waschpulver extra für Toplader. Unsere ist aber Frontlader. Es ist eine teilweise fremde Welt, und es ist lange her, dass ich in Indien war. Irgendwann so um 1995, in Ladakh. Da gab es zum Glück noch kein Instagram. Krishna hat mir hier einen Scooter vermietet, und dabei erzählt, dass er mal mit seiner Bullet von Goa nach Ladakh gefahren ist. Er hat die Bullet noch...

Fortsetzung folgt.

02 Jan 2025

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Herzlich willkommen 2025! Und wieder ist ein sehr ereignisreiches Jahr rum. Ich bin nach wie vor in Indien, und da hier in Goa ca 25% der Bevölkerung Christen sind, ging es sogar recht weihnachtlich zu. Aber fangen wir vorne an. Das erste Quartal des Jahres stand ja noch ganz im Zeichen der Van-Reise. Die Kanaren, und dann durch Spanien und Frankreich zurück nach Deutschland. Das war eine Menge Action, bis ich dann im April erstmal wieder in Berlin gestrandet bin.

Berlin

Ich hatte an dieses Jahr im Van keine speziellen Erwartungen, ich wollte einfach rumfahren und meine Ruhe haben. Und das hat auch prinzipiell super geklappt. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, mit einem brillanten Lebensplan wieder zurück zu kommen. Das hat weniger geklappt. Ich hatte mich ja recht schnell entschieden, kein Haus in Spanien zu kaufen, und gerade das Ende der Reise war doch etwas holprig, gelinde ausgedrückt. Passenderweise läuft dazu gerade auf meinem Walkman dieser Song:

Also in Berlin ein wenig wieder zurück auf Los, in einer Stadt, die dafür hervorragend geeignet ist. Wenn man die unzähligen Sirenen ignoriert, die dir ohne Unterlass ins Ohr säuseln. Oder in die Nase (das war ein anderer Clapton Song). Es war recht schnell klar, dass mich diese Stadt entweder ruinieren, oder einen großen Schritt nach vorne bringen würde. Crossroads. Ich habe mich zum Glück für letzteres entschieden.

Mandrem Beach

Mit fast 50 (es liest sich immer noch grausam) kann man ja auch mal einen Schritt machen. An dieser Stelle wird es wieder Zeit für ein Gedicht von Hermann Hesse. Es ist ja ein wenig Mode geworden, Hesse nicht mehr toll zu finden. Soll mir egal sein. Tiktok rettet ja gerade die Verlage, ein Drittel der unter 30-jährigen wird über soziale Netzwerke auf Bücher aufmerksam. Ist doch mal was, auch wenn es da wohl eher um literarisches Aufstoßen geht. Und auch nicht um eBooks, wie man vielleicht heutzutage erwarten würde. Wahrscheinlich, weil man die so schlecht in die Kamera für Instagram halten kann. Oder im Regal drapieren. Das Buchpapier als das neue Vinyl. Wie der Kölner Antiquar Klaus Willbrand (auch Social Media Star) so schön im Tagesspiegel meinte:

Wenn Sie solche Bestseller lesen, nützt Ihnen das gar nichts. Damit können Sie nur die Zeit totschlagen – aber Sie sind nach 50 Jahren noch der gleiche Idiot wie vorher.

Das soziale Medien gerade junge Menschen anscheinend eher unglücklich machen ist ja jetzt schon öfters erwähnt worden. Aber bestimmt nicht, weil sie Mädchen dazu bringen, Schundromane zu lesen. Ich werde mich an dieser Stelle nicht sentimental über am Büdchen erworbene Perry Rhodan Heftchen äußern (für 1,50 DM).

Ich hoffe auf jeden Fall, dass die in dem Artikel benannte u-förmige Glückskurve tatsächlich veraltet ist, ansonsten steht mir bald statistisch das große Glücksloch bevor. Der wellenförmige Velauf, der ist es bestimmt, es geht jetzt also erst mal richtig los! Bestimmt!

Also zurück zu Hesse, da war er wesentlich jünger als ich jetzt. Also sehr wesentlich. Egal.

Der Zecher nach einer frohen Nacht

Der Morgen dämmert rosig in der Ferne, Als spräche er von fernem, großem Glück, Mit bleichem Schimmer glänzen noch die Sterne, Das Licht verlöscht und trüber wird der Blick.

Die Freunde sind allmählich weggegangen, Ich bin allein und starre in die Nacht, Es röten sich und glühen heiß die Wangen, Still ist's, wo Freude eben noch gelacht.

Der Wein verschäumt im silbernen Pokale, Ein Morgenschauer weht mich frierend an, Zerreißt die grauen Nebel dort im Tale Und spottet ob dem heimatlosen Mann.

Und durch die Seele zieht ein wildes Sehnen, Ein bunter Traum von froher, alter Lust, Und aus den Augen rinnen heiße Tränen Und einsam stöhnt die wildbewegte Brust.

Verklungen ist das Klirren voller Becher, Der Blick ist trüb und, ach, das Herz so leer, Verschwunden sind die jugendlichen Zecher, Der Instrumente Wirbel rauscht nicht mehr.

Wir haben manches frohe Lied gesungen, Wir haben über manchen Scherz gelacht, Die Lieder und die Scherze sind verklungen, Und rings um mich ist rabenschwarze Nacht.

Was hilft der Zauber? Die verlornen Tage Gehören ewig der Vergangenheit, Das Käuzchen ruft; es stimmt in deine Klage Um deiner Jugend, deiner Liebe Zeit.

Wer das zu dramatisch findet, sollte schnell auf Tiktok wechseln (Hashtag #Booktok). Also zum dämmernden Morgen des ersten Verses, der hatte dann viele Facetten, zentral dabei Arhatic Yoga, das mich, mal mehr mal weniger, seit 30 Jahren begleitet, seitdem ich GMCKS in Hamburg begegnet bin. Irgendwie hat es diese 30 Jahre gedauert, um damit wirklich anzufangen. So ist das halt mit dem Karma. Wie Master Co letztens sagte, Karma is Entitlement.

Swinemünde im Juni

Nach Berlin ging es dann ja noch kurz in die Türkei und nach Italien. In 2024 bin ich doch etwas rumgekommen. Und nein, nicht mit dem Lastenrad. Also kein gutes Klimakarma, leider.

Neue Haare in Istanbul und neue Zähne in Berlin. Was man so macht mit Ende 40. Immerhin die neue Leber konnte ich abwenden.

Dank last.fm gibt es auch hervorragende Statistiken zur Musik. 10709 Songs waren das in 2024.

Hier in Goa ist das Wetter ähnlich verlässlich hervorragend wie auf den Kanaren. Es sind jeden Tag gute 30 Grad und so gut wie nie Regen. Irgendwann die nächsten Wochen sollte auch der Wind etwas zulegen, dann kann man hier auch Kiten. Drohnen darf man hier leider keine fliegen (als Ausländer), und das Onewheel war dann doch etwas schwer für's Handgepäck. So wie die Playstation. Aber ich habe keinen Entzug, da ich meine Vita reanimiert habe. Ein nach wie vor phantastisches Gerät, auch nach 14 Jahren. Gerüchten zufolge soll es ja einen Nachfolger geben. Das wäre was. Das Brettspiel das Jahres war Botanicus. Wer Siedler nicht mehr sehen kann, sollte sich das auf jeden Fall mal anschauen.

Botanicus

Die Kombination aus Indien, Arhatic Yoga, Pranic Healing und kein Alkohol tut schon gut. Nach Jahren ist mein Bluthochdruck weg, wer hätte das gedacht.

Das ist jetzt der zweite Winter, den ich nicht in Deutschland verbringe, man kann sich dran gewöhnen. Licht ist halt nicht nur für das Sehen relevant, sondern auch für die Stimmung, Kognition und die Physiologie.

Apropos Stimmung, man macht sich ja schon länger Sorgen um Deutschland und Europa. Die New York Times fasst es ganz gut zusammen:

For a continent that once saw itself as a middle way between the unbridled market capitalism of the United States and the various authoritarians stationed farther east, it’s a bitter irony that it now seems headed for pale imitations of both. And with Donald Trump around the corner, the hard times may have only just begun.

Ich dachte ja immer, ich sähe das alles sehr kritisch, aber wenn ich die deutsche Presse lese, kann ich mir hier nur am wieder teilbehaarten Kopf kratzen. Wenn der geschätzte Herr Casdorff im Tagesspiegel zum Jahreswechsel schreibt:

Vielleicht ist das der wichtigste Vorsatz auf dem Weg ins Neue, in [sic] neue Jahr: dass wir uns weite Wege und langen Atem zutrauen: dass wir die uns zugedachten Rollen beherzt annehmen; dass wir uns nicht mehr fürchten als unbedingt nötig. Das alles ist nötig, damit wir den Zukunftsplänen und unserem Glück eine Chance geben. Damit wir einen weiten Horizont zurückgewinnen und eine gesunde Seele.

Heia, was ist dann da los (mal abgesehen vom Satzbau)? Deutschlands Seele ist erkrankt an Selbstmitleid wie es scheint. Wählt doch einfach mal keine Parteien, die das Land immer mehr in die Scheiße reiten. Was passiert, wenn man CDU, SPD oder FDP wählt, konnte man jetzt wirklich lange genug studieren. Über die Faschisten von AfD und BSW müssen wir gar nicht erst reden. Auch wenn es schwer fällt, und ich Herrn Habeck für den potentiell nächsten grünen Genossen der Bosse halte, wählt einfach mal die Grünen. Gibt halt nichts anderes. Und nicht zu wählen, oder eine Partei, die es eh nicht schafft, ist eine ganz schlechte Idee.

Es wird also ein interessantes 2025, was auch immer das genau bedeuten wird. Nach Indien geht es wohl über Italien erstmal wieder nach Berlin. Bis zum Herbst oder sowas. Ende Januar muss ich Indien kurz verlassen, wegen meines Visums. Mal sehen, wohin der Abstecher geht. Ein frohes 2025 auf jeden Fall.

16 Jan 2025

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Wenn man heutzutage nach einem Restaurant sucht, oder einem Arzt, ist Google Maps wohl für die meisten Menschen die erste Wahl. Man erfährt nicht nur, wo sich welche befinden, man kann sich auch gleich ansehen, wie viele Menschen das Restaurant oder den Arzt wie bewertet haben. Dazu kann man als Kunde bis zu fünf ★ vergeben, und optional einen Kommentar dazuschreiben. Diese Rezension kann dann der Eigentümer des Restaurants oder der Arzt wiederum kommentieren, wenn er will, und andere Benutzer können die Rezension liken. Das funktioniert nicht nur für Restaurants und Ärzte, sondern für jedes Geschäft, das auf Maps existiert ist, also so ziemlich alles.

So weit, so gut, könnte man denken. Die Sache hat nur gleich mehrere Haken. Durch die Dominanz von Google entscheiden unzählige Leute via Maps wo sie essen gehen, wo sie einkaufen, und so weiter. Google Maps hat damit einen entscheidenden Einfluss auf den kommerziellen Erfolg, und kann maßgebend dafür sein, ob das Dinner ein Fest oder ein Reinfall wird. Bewertungssysteme sind extrem relevant geworden. Daher ist es äußerst wichtig, dass so ein System fair für beide Seiten ist, den Anbieter und den Kunden. Das heißt zum Beispiel:

  1. Der Anbieter sollte in der Lage sein, nachweisbar falsche Rezensionen löschen zu lassen.
  2. Der Kunde muss sich darauf verlassen können, dass positive Rezensionen nicht gekauft und
  3. negative Rezensionen nicht gelöscht werden (sofern sie nicht unter 1. fallen)

In diesem Artikel geht es um den dritten Punkt.

Die These ist, dass es mittlerweile möglich ist, jedwede negative Bewertung problemlos durch den Anbieter löschen zu lassen, egal ob sie wahr oder falsch ist. Damit wird Google Maps ungeeignet, um sich über die Qualität eines Anbieters zu informieren, da die Rezensionen ein beliebig geschöntes Bild abgeben.

Ich selbst war ab und zu bei Google Maps als Rezensent aktiv, Google versucht dies auch sehr zu pushen, indem man Titel wie “Local Guide” bekommt, ständig durch die App aufgefordert wird, zu bewerten, und gelobt wird mit Sätzen wie “Glückwunsch! Du gehörst zu den obersten 10% der Restaurantbewerter!”. Wow. Dazu dann noch der übliche Gamificationscheiß. Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich 75 Rezensionen verfasst und 32 Fotos hochgeladen, die ca. 350000 mal betrachtet wurden. Ich weiß nicht, ob das viel ist, aber damit ist jetzt Schluß. Ich werde keine Rezensionen mehr verfassen, habe fast alle gelöscht, inklusive aller Bilder. Wer Daten will muss freundlich sein.

Um meine obige These zu unterstreichen, hier zwei Beispiele aus meiner eigenen Erfahrung.

Die Torbar in Berlin

Die Torbar in der Torstraße in Berlin schmückt sich als ein Restaurant der Extraklasse unter Palmen. Okay. Ich habe dann dort auch mal mit einer Freundin gegessen, und es war gelinde gesagt wenig gut. Dafür schön teuer und schlechter Service. Nicht weiter wild, aber dafür sind Rezensionen da, und so entstand dann auch diese Google Maps Rezension:

★★ Leider ein weiterer Laden in Mitte bei dem Hipness wichtiger ist als Qualität. Die kleine Platte Meeresfrüchte für 58 EUR war noch durchaus ok. Die Seezunge für 34 EUR (ohne Beilage) war ein trauriger liebloser Lappen, und die Crêpes für 14 EUR konnte man essen, sahen aber nicht danach aus.

Torbar Berlin

Anscheinend konnten die Betreiber der Torbar dies nicht aushalten, anstatt sich mündig mit einem Kommentar dazu zu äußern, oder die Rezension einfach zu ertragen, hat man die ganze Rezension von Google einige Monate später entfernen lassen. Am 1o. Oktober 2024 bekam ich eine Email von Google, die behauptet, meine Rezension sei “anscheinend” Verleumdung.

Starker Tobak, was Google mir da vorwirft, laut Wikipedia:

Verleumdung bedeutet im deutschen Strafrecht, dass jemand über eine Person gegenüber einem Dritten ehrverletzende oder kreditgefährdende Behauptungen aufstellt, obwohl er weiß, dass die Behauptungen unwahr sind.

Einfach gesagt, Google behauptet, ich würde bewußt lügen. Also vermutlich hat das die Torbar behauptet, und dann schickt es einem Google weiter. Wenn ich jemanden der Verleumdung bezichtige, obwohl ich weiß, dass dies falsch ist, dann müsste doch gerade das Verleumdung sein. Wahrscheinlich kann man das aber problemlos machen, solange es nicht öffentlich ist, und man “verstößt anscheinend” dazuschreibt. Oder irgend so ein juristischer Taschenspielertrick. Das Ganze hier hat schon auch eine sehr alberne, infantile Note. Aber mit Gschmäckle, Verleumdung ist in Deutschland eine Straftat:

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts (§ 11 Absatz 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Was aber bitte ist denn an der Rezension verleumdend? Nichts ist hier “wider besseres Wissen” geschrieben, die Preise sind korrekt, das Photo auch, und der Rest ist meine Meinung, verfasst im absolut üblichen Jargon einer Kritik. Übrigens alles inklusive Zeugen. Dafür sind Rezensionen da, um Meinungen zu äußern. Ich habe schon wesentlich deutlichere Restaurantkritiken gelesen, im Internet, in Zeitschriften, in Tageszeitungen. Und das ist gut so, das ist die Idee der Kritik. Die schmeckt natürlich nicht jedem, aber deswegen wird man (zumindest in Deutschland) nicht ins Gefängnis gesteckt. Leider ist das bei Google noch nicht angekommen, wie es scheint.

So läuft das jetzt wohl, wenn zum Beispiel einem Restaurantbetreiber eine Rezension nicht passt, kann er diese anscheinend per Klick entfernen lassen, behaupten, das sei Verleumdung, und Google holt dann als Handlanger unterstützend die Strafttatskeule raus, um genau die Leute einzuschüchtern, die Google mit ihren Rezensionen und Daten dabei helfen, ein globales Bewertungssystem anzubieten. Glückwunsch, Google.

Man kann sich dann bei Google zu der Sache äußern, das habe ich dann auch getan, am 23. Oktober 2024:

Dies ist nicht richtig, es handelt sich hierbei um keine Verleumdung. Die Rezension und das dazugehörige Photo sind authentisch und unter Zeugen entstanden. Dies gilt auch für die angegebenen Preise. And keiner Stelle wird jemand oder etwas verleumded.

Ich bitte sie daher darum, die Rezension wieder aktiv zu schalten. Wenn Betreiber eines Restaurants Rezensionen, die ihnen nicht gefallen, einfach abschalten lassen können, indem man sie als “Verleumdung” deklariert, sind Rezensionen ad absurdum geführt. Auf Wunsch nenne ich Ihnen gerne Zeugen.

Am selben Tag schreibt Google zurück:

Google wird derzeit keine Maßnahmen ergreifen. Der betreffende Inhalt verstößt anscheinend gegen Folgendes: Rechtsprechung: Deutschland Verstößt anscheinend gegen: Defamation

Google meint hier vermutlich Diffamierung. Oder man wollte es diesmal auf Englisch sagen. Und damit ist die Sache für Google dann auch erledigt, weitere Kommunikation ist nicht mehr möglich. Das ganze System scheint nur einen einzigen Zweck zu haben: Empfänger von schlechten Rezensionen können diese problemlos löschen lassen, und wenn Google keine Lust hat, kann man daran auch nichts ändern. Alles absolut willkürlich. Ein weiteres Beispiel.

Die Augenarztpraxis Margarete Pasternak in Haan

Mein Vater war in der Augenarztpraxis Margarete Pasternak in Behandlung, wegen altersbedingter Makuladegeneration. Diese Behandlung war nicht ganz trivial, da mehrere Ärzte involviert waren. Sie ging daher über mehrere Wochen. Während diese Behandlung noch nicht abgeschlossen war, wurde mein Vater informiert, dass man jetzt nur noch Privatpatienten behandeln werde, er solle sich einen anderen Arzt suchen, der den Fall weiter behandelt. Ich will das hier jetzt nicht weiter moralisch diskutieren, nur soviel, ich hätte erwartet, dass man mit einem Funken Anstand zumindest noch die laufenden Fälle zu einem guten Ende bringt. Also hier meine Rezension:

★ Die Behandlung meines 84 jährigen Vaters wurde abgebrochen, da nur noch Privatpatienten behandelt werden. In welcher Welt leben wir mittlerweile?

Man kann schon ahnen, was kommt. Google behauptet am 10. Dezember 2024 es wäre Verleumdung. Ich sage zu Google, das stimmt nicht. Es passiert nichts. Am 3. Januar 2025 frage ich nach. Google antwortet, ich solle das doch alles mal belegen. Am 6. Januar schreibe ich Google die Sache nochmal ausführlich auf. Dann die Überraschung! Am gleichen Tag schreibt Google:

Wir haben Ihre Beschwerde erhalten und geprüft. Google hat entschieden, derzeit [die] Inhalte zu reaktivieren.

Für einen kurzen Moment kehrte mein Glaube an die Sache zurück. Der hielt aber nur zwei Tage. Am 8. Januar wird die Rezension wieder gesperrt. Es sei Verleumdung.

Bild generiert von Gemini Advanced

Es ist also völlig sinnlos, Google zu erklären, warum eine Rezension berechtigt ist (warum muss ich das eigentlich machen und nicht der Anbieter erklären, warum etwas verleumdend sei?). Wenn man sich nämlch diese Mühe macht, klickt der Anbieter einfach wieder auf die Verleumdungstaste, und das Spiel geht von vorne los. Ein Affenzirkus. Der ganze “Prozess” den Google hier aufgesetzt hat, ist dysfunktional, dient einseitig dem Anbieter, und schadet den Kunden. Zudem ist er absolut unverhältnismäßig, da indirekt mit Straftatsbeständen und damit Gefängnisstrafen gedroht wird.

Ich habe dann wieder bei Google nachgehakt und Google spielt das Spiel von vorne, ich solle das doch alles mal begründen. Vielleicht haben die einen Bot geschrieben, der einem immer wieder sinnlose Emails schickt. So ein bisschen im Bureaucracy Stil. Aktuell lasse ich anwaltlich prüfen, ob man hier noch was machen kann. Sobald sich was ergibt, werde ich diesen Beitrag entsprechend ergänzen.

Was kann man denn nun machen? Es gibt diverse Bewertungsportale, diese sind aber oft spezialisierter und daher auch weniger bekannt und relevant als Google. Für Restaurantbewertungen fand ich schon immer Foursquare die bessere Wahl, die reduzieren sich aber gerade auf ihre Swarm App, und da ist noch ein wenig unklar, wo die Reise hingeht, zumindest was Rezensionen angeht.

Man muss sich wohl damit abfinden, dass Google Rezensionen nur noch eine sehr eingeschränkte Aussagekraft haben. Wer es sich leisten kann, klickt sich seine Rezensionen schön. Vielleicht ist es eine gute Idee, nur noch Sterne zu vergeben, und keinen Bewertungstext mehr zu verfassen. Aber vielleicht kann man auch schon die reine Tatsache, nur einen Stern bekommen zu haben, als übelste Verleumdung bei Google anprangern. So langsam ist ja alles, was nicht ausnahmslos schmeichelt, ehrverletzend. Erwachsene werden zusehends infantiler, unfähiger, mit Kritik umzugehen. Wer mich nicht liebt, macht mich zum Opfer. Man muss nicht alles aushalten, Hetze im Netz zum Beispiel. Und da ist es gut und wichtig, dass Firmen gezwungen werden, diese konsequent zu entfernen und zu verfolgen. Aber wenn selbst der mittelmäßige Crêpe einer Hipsterbar zur Zensur der Meinung führt, dann sind wir irgendwo falsch abgebogen.

Bei der Entfernung von Rezensionen ist die Ehrverletzung natürlich nur ein vorgeschobener Grund. Es geht um die Kreditgefährdung. Man möchte gerne seine weiße Weste (oder Kittel) behalten, egal, ob die einem steht, oder nicht. Damit der Rubel weiter ordentlich rollt. Ich gönne es auch jedem, unfassbar reich zu werden. Aber dann bitte auch mit der entsprechenden Leistung, und einem Funken Anstand. Das muss sich übrigens nicht ausschließen. Im Gegenteil. For it is in giving, that we receive. Passend dazu gibt es heute einen schmackhaften Klassiker von D.O.A. zum Dessert.

Update

Nachdem ich einen Anwalt eingeschaltet hatte, hat Google die Rezension über die Augenarztpraxis Margarete Pasternak wieder freigeschaltet (der Torbar-Fall wurde nicht verhandelt). Es kam dann noch zu einem Treffen der Anwälte vor Gericht. Dort haben die Richter dann aber sinngemäß entschieden, dass man für eine allgemeine Entscheidung einen umfangreichen Prozess starten müsste. Das würde bedeuten, dass ich mich auf ein möglicherweise jahrelanges Verfahren mit unsicherem Ausgang hätte einstellen müssen. Inklusive enormer Kosten. Ich habe mir den Spaß ja jetzt schon einiges kosten lassen, und gegen einen Konzern wie Google kommt man auch nur sehr unwahrscheinlich an. Selbst wenn ich irgendwo gewonnen hätte, wäre Google vermutlich in Berufung gegangen, und so weiter und so fort. Ich habe mich dann also mit dem kleinen Sieg zufrieden geben müssen. Das Rechtssystem ist auch hier leider ein Freund der Mächtigen, Vertrauen in den Rechtsstaat baut sowas nicht auf. Aber dank Donald Trump sind Konzerne wie Google eh dringlichst zu meiden. Auch auf Google Maps kann man ganz verzichten.

05 Feb 2025

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Hier ein paar Tipps und Tricks für Menschen, die vorhaben nach Indien zu reisen, und sich da vielleicht auch etwas länger aufzuhalten. Alles ohne Gewähr.

Visum und Einreise

Am einfachsten beantragt man ein eVisa. Das sollte problemlos online funktionieren und nach wenigen Tagen verfügbar sein. Daher gehe ich hier von einem eVisa aus.

Der Reisepass muss bei Beantragung noch mindestens 6 Monate gültig sein.

Wichtig ist, die PDF Version des Visums auszudrucken (das PDF erhält man über die Webseite via “Check your Visa Status”), die Bestätigung per EMail reicht nicht. Das PDF online dabeizuhaben (z.B. auf dem Smartphone) reicht auch nicht. Ich hatte deswegen fast meinen Flug verpasst, da ich um 6 Uhr morgens am Flughafen in Madrid jemanden ausfindig machen musste, der mir mein Visum ausdrucken konnte. Macht überhaupt keinen Spaß.

Eine weitere Hürde beim Abflug nach Indien kann sein, dass der Check-In am Flughafen darauf besteht, dass man nachweist, dass man aus Indien wieder ausreisen wird. Hat man seinen Rückflug oder Weiterflug schon gebucht, kann man diese Buchung vorzeigen. Möchte man sich aber offenhalten, wann man wieder ausreist, und hat kein Rückflugticket, kann man ein Problem bekommen. Mir ist auch das in Madrid passiert, da hatte ich aber zum Glück ein Rückflugticket zur Hand. Bei anderen Einreisen nach Indien von Düsseldorf oder Sri Lanka aus war es nicht nötig, seine geplante Ausreise zu belegen. Es wird höchstens gefragt, wie lange man bleiben möchte. Es ist also Glücksache, man sollte sich daher darauf einstellen, dass man im Notfall schnell noch am Flughafen einen Rückflug buchen muss. Das kann dauern, also Zeit mitbringen.

Aufenthaltsdauer

Ein eVisa ist ein Jahr lang gültig. Wenn man nicht länger als 90 Tage in Indien bleiben möchte, muss man sich keine weiteren Gedanken machen.

Wenn man länger als 90 Tage bleiben möchte, muss man aus Indien ausreisen bevor die 90 Tage rum sind, und dann wieder einreisen. Länger als 90 Tage darf man sich nicht am Stück in Indien aufhalten. Wenn man dazu in ein Land ohne Visumspflicht weiterreist, muss man sich auch hier keine weiteren Gedanken machen, man hat ja schon ein Visum für Indien um wieder einzureisen. Wenn man vorhat in ein Land mit Visumspflicht weiterzureisen (hier bietet sich z.B. Sri Lanka an), muss man bedenken, dass dann der Reisepass bei Beantragung des Visums für z.B. Sri Lanka wieder für 6 Monate gültig sein muss. Reise ich also nach ca. 3 Monaten Indien weiter nach Sri Lanka, muss mein Reisepass insgesamt für noch mindestens 9 Monate gültig sein.

Money Money Money

In Indien bezahlt man bekannterweise in Rupien. Hier nicht am Flughafen tauschen, wegen schlechter Wechselkurse. Um Geld an Geldautomaten abzuholen, benötigt man eine Kreditkarte. Diese sollte man auf jeden Fall dabeihaben. Mit einer solchen kann man auch in diversen Wechselshops an Bargeld kommen, Geldautomaten sind aber oft die bessere Wahl, was die Wechselkurse angeht. Die Abhebesumme ist pro Geldautomat üblicherweise auf 10000 Rupien pro Tag beschränkt. Es ist daher praktisch, eine Kreditkarte zu haben, die für das Geldabheben und Bezahlvorgänge in Indien keine Gebühren nimmt. Ich kann hier z.B. die GenialCard der Hanseatic Bank empfehlen (aber aufpassen, eine Rückzahlung in Raten ist voreingestellt). Die meisten (auch kleinen) Geschäfte in Indien erlauben Kartenzahlung, da ist man wesentlich weiter als Deutschland.

Wer keine Kreditkarte hat, muss Bargeld mitbringen und tauschen. Wer ein Android Smartphone hat, kann auch ohne Kreditkarte per Handy bezahlen, wenn man PayPal in der Wallet App einrichtet. Das sieht für den Händler wie eine MasterCard aus, kann man aber per PayPal vom Bankkonto abbuchen lassen.

Man sollte sich auf Kreditkartenzahlungen nicht verlassen und immer auch Bargeld dabeihaben. Einige Geschäfte (auch online) nehmen zum Beispiel keine ausländischen Kreditkarten, nur indische.

Kommunikation und Internet

Auf dem Handy sollte man WhatsApp installiert haben. Für die Kommunikation ist das oft der beste und einzige Weg, auch was Hotels und Dienstleister wie Taxifahrer angeht. Aber dafür braucht man Internet. Es bietet sich hier sehr an, eine Prepaid SIM-Karte eines indischen Anbieters zu kaufen. Diese bekommt man an jeder Ecke (Reisepass und Visum mitbringen), und sind sehr günstig. Für ein paar Euros im Monat bekommt man 1-2 GB am Tag an Daten. Das Aufladen kann man gleich beim Shop mit erledigen. Es gibt dazu zwar auch Apps, aber da werden oft nur indische Bezahlmöglichkeiten akzeptiert. Es gibt auch eSim-Anbieter für Indien, die sind aber oft wesentlich teurer.

Oft ist es praktisch, auch weiterhin SMS aus Deutschland empfangen zu können (z.B. für Zwei-Faktor-Authentisierung), und für Notfälle weiterhin unter der deutschen Nummer erreichbar zu sein. Für die indische Prepaid SIM braucht man einen freien SIM-Slot im Handy. Die meisten aktuellen Handys haben zumindest einen SIM-Slot und erlauben zusätzlich noch eSims. Daher, wenn es geht, zu Hause den deutschen Anbieter auf eSim umstellen, dann hat man einen freien Platz für die indische SIM. Wer ein supermodernes Handy nur noch mit eSim hat, hat leider Pech gehabt.

Indische SIM-Karten laufen bei Ausländern nach 90 Tagen automatisch ab. Dann muss man sich eine neue Karte holen.

Wer Festnetzanrufe z.B. nach Deutschland machen muss, kann das auch mit der indischen SIM machen (man kann dazu ein paar Euros extra aufladen). Das sollte wesentlich günstiger sein, als die deutsche SIM in Indien zum Telefonieren zu verwenden. Wem das zu kompliziert ist, kann das gute alte Skype nutzen. Damit kann man für wenig Geld weltweite Festnetzanrufe tätigen.

Egal ob mobile Daten oder WLAN, viele Internetdienste aus Deutschland sind in Indien nicht verfügbar, zum Beispiel Disney Plus. Auch viele Onlineangebote der öffentlich-rechtlichen Anbieter weigern sich, in Indien zu streamen. Abhilfe schafft hier ein VPN, z.B. NordVPN. Schnell mit einem deutschen Server verbinden (ein Klick) und schon kann man wieder streamen. Es sei darauf hingewiesen, dass man damit womöglich gegen die Nutzungsbedingungen der Streaming-Dienste verstößt. Illegal ist das aber meines Wissens nicht. Netflix ist hier eine löbliche Ausnahme, das läuft problemlos in Indien mit einem deutschen Account.

Mobilität

Ein eigener Mietwagen kann in Indien zur echten Herausforderung werden. Man braucht schon eine Menge Nerven, um sich als Europäer in den indischen Verkehr hineinzuwagen. Machen auch die wenigsten, beliebter ist es, sich einen Scooter zu leihen. Die Dinger sind recht einfach zu fahren, und man kann sich wesentlich einfacher durch den Verkehr manövrieren als mit einem Auto. Wer nicht völlig bescheuert ist, trägt dabei einen Helm, was übrigens auch Pflicht ist in Indien. Wer total bescheuert ist, setzt noch sein kleines Kind und seinen Partner mit auf den Scooter, natürlich ohne Helm. Man begegnet in Indien diverse Touristen, die heiße Anwärter auf den Darwin Award sind. Die ganze Sache ist nunmal nicht trivial, es besteht Linksverkehr, und ein wenig Übung im Fahren eines Scooters ist sehr anzuraten. Vielleicht zu Hause mal vorher üben. Oder fahren lassen. (Motorrad-) Taxen und / oder Autorikschas gibt es überall.

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28 Feb 2025

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Ich bin wieder in Indien. Zwischenzeitlich war ich kurz auf Sri Lanka, und danach ging es zwei Wochen durch Südindien, mit Master Sai. Die Reise wollte ich seit Jahren machen, und sie stellte sich als absolut großartig heraus.

Das letzte, und erste Mal, war ich vor 30 Jahren in Indien, 1995. Allerdings in einer ganz anderen Ecke des Landes, hoch im Norden. In Ladakh. Da ist der Himalaya nicht weit. Ich bin normalerweise nicht sehr emotional, wenn es um Natur geht, aber als ich in Leh aus dem Flugzeug gestiegen bin, war ich doch wirklich tief beeindruckt.

Grüne Oasen inmitten dieser sehr beeindruckenden Gebirgslandschaft.

Vor 30 Jahren war Ladakh touristisch noch nicht sonderlich erschlossen, es gab wenige, sehr einfache Hotels, und diverse Taxifahrer, die uns durchs Land brachten. Mittlerweile hat der Tourismus auch dort massiv zugenommen. 1995 waren es ca. 17.000 Touristen im Jahr. 2023 waren es deutlich über 500.000.

Die Bilder hier sind also eine kleine Reise in die Vergangenheit, die man so wohl nicht mehr vorfinden wird.

Wir hatten einen Kunsthistoriker dabei, und haben uns in erster Linie buddhistische Klöster angesehen.

Am Ende der Reise ging es noch eine Woche ins Nubra-Tal, über die höchste Passstraße der Welt.

Ich habe die Dias von damals jetzt endlich mal scannen lassen. Die Gesamtheit der Bilder kann man sich hier ansehen:

21 Mar 2025

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Unser noch-Bundeskanzlerchen Scholz soll ja angeblich vor einiger Zeit beim Abendessen im Bundeskanzleramt (vermutlich ziemlich angesoffen) Unterstützer der Ukraine als “Antipatriotische Provinz-Arschlöcher” betitelt haben. Dank auch dieses weitsichtigen Engagements in Fragen der europäischen Sicherheit (lassen wir mal romantische Motive wie Moral ganz beiseite), versucht sich Europa jetzt leicht verzweifelt auf einen möglichen Angriffskrieg der Russen vorzubereiten. 2030 soll es losgehen. Also eigentlich haben wir ja schon einen Angriffskrieg auf Europa, nämlich in der Ukraine (und “hybrid” sowieso). Aber das wird gerade noch als Kollateralschaden einer super laufenden Appeasementpolitik weggewischt. Weil, was soll schon passieren. Appeasement hat schon immer hervorragend funktioniert. Und zur Not kommt der Amerikaner und wedelt mit der Atombombe. Dachte man. Jetzt kommt der Amerikaner aber wahrscheinlich gar nicht.

Dass ich mal auf meiner Literaturwunschliste den Titel “Die Rückkehr des Krieges. Warum wir wieder lernen müssen, mit Krieg umzugehen” stehen haben werde – ich hätte es vor wenigen Jahren keinem geglaubt. Man fragt sich auch, über welche Brücken die Panzer dann überhaupt noch rollen sollen. In Berlin ist das ja erstmal schwierig geworden. Aber Hauptsache Berlin spart kräftig weiter, während Mieten jeden Tag unbezahlbarer werden. Berlin wird immer mehr zum failed federal state.

Apropos hybride Kriegsführung. So einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass das mit den Fehlinformationen gar nicht so effektiv ist, wie man befürchtet. Das Problem ist möglicherweise eher, dass Menschen generell keinen Bock mehr auf Fakten und Wahrheit haben. Hannah Metzler schreibt in Mythos Fehlinformation: Warum soziale Medien weniger gefährlich sind, als wir denken:

Umso tragischer ist es, dass das Interesse vieler Menschen an Medien, Politik und Wissenschaft sinkt. Die Interaktion mit Nachrichten, auch auf Social Media, nahm seit 2015 in 46 Ländern um 25% ab. Die meisten Menschen sind nicht fehlinformiert, sondern uninformiert.

Solche Studien wird es ja bald vielleicht eh nicht mehr geben. Zumindest nicht in den U.S.A.; wer da eines der verbotenen Wörter benutzt, zum Beispiel bei einem Forschungsantrag, der hat wahrscheinlich Pech gehabt. Dies hat schon ganz konkrete Konsequenzen, beispielsweise den Begriff “mRNA” sollte man bei Anträgen tunlichst vermeiden. Zur Erinnerung (aus dem Artikel):

The mRNA technology is under study at the NIH for prevention and treatment of infectious diseases, including flu and AIDS, and also cancer. It was deployed in the development of covid-19 vaccines credited with saving 3 million lives in the U.S. alone — an accomplishment President Donald Trump bragged about in his first term.

Aber Hauptsache, alle lassen sich von diesem Clown JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz über “Free Speech” belehren. Es wird höchste Zeit, dass Europa wieder sowas wie Souveränität lernt. Ein paar Dinge sind hier nämlich noch schwer in Ordnung. Die sollten wir bewahren. Sehr hörenswert dazu:

Es bleibt aber nicht bei abgewiesen Forschungsanträgen und massiven Geldkürzungen an Universitäten. Als Europäer sollte man sich mittlerweile gut überlegen, überhaupt noch in die U.S.A. einzureisen. Auf jeden Fall sollte man vorher sein Telefon austauschen, ein französischer Wissenschaftler wurde gerade erst gar nicht ins Land gelassen.

Ich werde ja mittlerweile schon nervös, wenn man “die Wissenschaft” sagt. Als wäre das eine elitäre Gruppe von welt- und menschenfremden Gestalten, die in einem fernen Elfenbeinturm leben.

Wissenschaftler sind in erster Linie Menschen, die sich mit einem Thema auskennen. So wie Ingenieure. Und Bäcker. Und Ärzte. Und KFZ-Mechaniker. Und Philosophen. Wer damit ein Problem hat, möge sich bitte mit einem Knüppel bewaffnet in eine Höhle in der sächsischen Schweiz zurückziehen. Nix mehr Auto. Auch kein TikTok. Und auch keine Medizin mehr, oder Stückchen Kuchen. Das ist dann vorbei. Das ist nämlich alles Wissenschaft.

Dazu ein kleiner Einwurf aus einem Meilenstein der Kinematographie – “Als die Frauen noch Schwänze hatten” (Alternativtitel: Sie suchten das Feuer und fanden den Sex).

Wir haben keine Zeit mehr, alles nochmal von vorne zu diskutieren. Die Welt ist keine Scheibe. Es tut mir leid.

Es besteht also berechtige Sorge, dass das Vertrauen in “die Wissenschaft” weiter sinkt. Eine Umfrage in 68 Ländern hat das untersucht (Achtung! Das waren auch Wissenschaftler, man könnte eine Verschwörung erschnüffeln!). Auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 5 (sehr hoch) vertrauen die Deutschen der Wissenschaft mit einem Wert von 3,49. Das ist unteres Mittelfeld, und noch unter dem Wert der U.S.A. (3,86). Das als “eher hoch” zu bezeichnen ist schon eine recht positive Interpretation. Aber es sind ja nicht nur die wissenschaftlichen Ergebnisse, sondern auch, wie darüber populärwissenschaftlich berichtet wird. Ich lese jeden Morgen den Tagesspiegel; was und vor allem wie da unter der Rubrik “Wissenschaft” teilweise berichtet wird, ist schon sehr bedenklich. Ein Tiefpunkt des deutschen Journalismus war auch dieser pseudo-investigative Aufschrei diverser Tageszeitungen, man hätte geheime BND-Dokumente entdeckt, die den Ursprung des Coronaviruses enthüllen (die Lab-Leak-These). Und diese Dokumente würden konspirativ den Bürgern vorenthalten! Zum Glück gibt es noch guten Wissenschaftsjournalismus, der das richtig einordnet. Hörenswert dazu:

Und jetzt? Mal sehen. Zunächst bleibt festzuhalten, dass wir in diesem Land deutlich mehr antipatriotische Provinz-Arschlöcher brauchen. APAs, vereinigt euch! Zudem ist es ja schon eine Tragik, was da in den U.S.A. gerade abgeht. Die Leitkultur meiner Jugend. Neben England natürlich. Man kann nur hoffen, dass die sich wieder fangen. Bis dahin fahren wir halt Royal Enfield anstatt Harley Davidson. Wer fährt überhaupt Harley Davidson?

Musik unterliegt ja bisher keinen Zöllen. Daher am Ende ein Lied. Aus den U.S.A. – die großartigen The Delines.