Und schon wieder ist mehr als ein Monat rum, dieser stand aber mehr im Zeichen der Städte. Verbrecher kehren ja gerne an ihren Tatort zurück. So war ich länger in Berlin, genötigt durch einige Arzttermine, die anstanden. Aber Berlin im Sommer hat auch was, manchmal. Das wusste ja schon Alphaville. Drei und eine halbe Woche sollten es in Berlin werden. Netterweise hat mich Andree wieder aufgenommen, der Wagen hatte mal Pause.
Zunächst musste ich vor Berlin mein Solarpanel reparieren lassen, und da fand sich letztendlich ein netter Händler direkt beim Freizeitzentrum Roßmühle. Roadsurfer hatte sich dann sogar nach ca. 20 Tagen doch mal wieder gemeldet. Am Ende fehlte, warum auch immer, eine Sicherung irgendwo. So richtig viel Watt kommen da zwar jetzt auch nicht runter, aber immerhin. Da der Campingplatz so angenehm war, direkt an der fränkischen Saale, bin ich noch ein paar Tage geblieben.
Danach ging es ein paar Tage nach Haan, und es stellte sich dabei heraus, dass mein guter Freund Christian ganz in der Nähe vom besagten Campingplatz, übrigens sagt man in der Rhön, einen Zwischenstopp in Richtung Urlaub einlegen wollte. Da bin ich dann gleich nochmal mit hingefahren. War ja Richtung Berlin, so ganz grob.
Schloss Saaleck
Christian bietet übrigens sehr großartige Waldtage an, in der Nähe von Düsseldorf. Unbedingt mal mitmachen, wenn man da in der Nähe ist.
Die Musik in dem Video ist übrigens von Chris Hülsbeck. Alles hängt zusammen. Das Video hab' ich noch mit Premiere Pro gemacht. Man denkt ja, Slideshows sind das Einfachste. Stimmt aber gar nicht.
Da Christian nach Leipzig musste, vor dem Urlaub, (eine verworrene Geschichte), hab' ich ihn nach Leipzig gefahren, das lag jetzt ja wirklich auf dem Weg nach Berlin. Da bin ich dann auch ein paar Tage geblieben, es gibt einen sehr praktischen Campingplatz direkt am Hauptbahnhof. Er ist wirklich nur praktisch, sonst nichts.
Leipzig Hauptbahnhof
Das Gewandhaus spielte zur Begrüßung die h-Moll Messe von Bach.
Das war sehr ergreifende, aber auch etwas schwere Kost. Passend dazu ein Bild von Christian mit einer Schweinshaxe.
Ratskeller Leipzig
Ansonsten habe ich noch meinen alten Schulfreund Michael getroffen, den hatte ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Der hat bisher Literatur übersetzt, möchte jetzt aber lieber Daten übersetzen. Wir sind ja alle ähnlich alt. Wenn man sich das überlegt. Ende vierzig. VIERZIG! Also eher fünfzig (50). Früher dachte ich bei Fünfzig unmittelbar an alte Männer, die mit Bierbauch, Frau und drei Kindern grillend auf Campingplätzen abhängen und mit allem abgeschlossen haben. Moment. Ich hänge auch auf Campingplätzen ab. Aber mein Bierbauch ist (fast) weg. Alles sehr verwirrend. Fünfzig ist ja auch das Jahr der Midlife Crisis mittlerweile, zumindest als Mann. Irgendwie haben gerade alle eine. Vielleicht hat mein Wagen deswegen Allrad. Ich weiß es nicht.
Dann Berlin. Da warteten zum Glück nicht nur Ärzte auf mich. Es waren auch in erster Linie Zahnärzte, zwei Implantate wurden verbohrt. Es gibt ja Ärzte, die machen das unter Narkose. Ich bekam wenigstens Benzodiazepine. Berlin ganz ohne Drogen wäre auch unpassend. Und das war schon die zweite Dröhnung, davor die Woche wurde mir schon was injiziert. Bei einer Magen- und Darmspiegelung. Reine Vorsorgeuntersuchung. Ist jetzt nicht das ergreifendste Thema, aber ich kann nur sagen Leute, macht das! So ein Darmkrebs steht ganz unten auf der Liste der möglichen Abspänne. Dieser Check ist auch wirklich nicht schlimm, man muss nur vorher dieses leicht furchtbar schmeckende Abführmittel trinken. Das war's. Narkose und weg. Danach darf man dann nicht alleine nach Hause, wegen der Narkosemittel. Ich war etwas unehrlich und habe behauptet, mir ein Taxi zu nehmen, bin dann aber noch leicht verscheppert über die Friedrichstraße flaniert und habe bizarre Dinge bei Karl Lagerfeld gekauft. Vielleicht hätte ich ein Taxi nehmen sollen.
Es sind noch ein paar andere Berlin-typische Dinge passiert. Mein E-Roller wurde geklaut. Der war aber zum Glück versichert. Dachte ich zumindest, schon wieder ein Fall für die Rechtsschutz... Hab' schon einen neuen Roller erstanden. Und die U2 ist immer noch unbefahrbar. Dafür werden vom neuen Senat Fahrradwege in Frage gestellt, die schon geplant waren. Glückwunsch an alle CDU Wähler. Oder SPD. Ist ja mittlerweile auch kein großer Unterschied mehr. Und ganze Freibäder werden hier gerade erstmal geschlossen, da das Personal keinen Bock mehr hat, Horden von Kleinschlägern im Zaum zu halten, und sich krank meldet. Ich fand' Freibäder eh noch nie gut, das letzte besuchte Freibad war das Waldbad Hilden in der frühen Schulzeit. Da konnte man damals am Tagesende beim Müllsammeln helfen, dafür hat man eine Freikarte bekommen. Ich frage mich, ob sowas auch in Berlin funktionieren würde. Eine rhetorische Frage.
Es war aber auch nett mal wieder im Büro anzuklopfen. Bin jetzt auch ergriffener Besitzer eines Push 3. Das sollte sich gerade im Campingwagen als Standalone-Instrument sehr gut machen. Erwartet Hits.
Apropos Standalone, im sehr empfehlenswerten Brettspielgeschäft Berlin habe ich mich mit ein paar Singleplayer-Brettspielen eingedeckt. Ein wirklicher Schatz ist Final Girl.
Final Girl vs. Hans the Butcher
Auch sehr nett, und nicht so platzaufwendig ist Onirim und Stellarion. One Deck Galaxy muss ich mir noch ansehen, sieht aber auch vielversprechend aus.
Stellarion
Und ich war diverse Male im Wellenwerk, das ist wirklich gut geworden, auch oder gerade im Sommer. Oder ein wenig Driving Range auf der Trabrennbahn. Mit Karl Lagerfeld Hose. Siehe oben.
Ein Highlight war ohne Frage das Depeche Mode Konzert am 09. Juli im Olympiastadion.
Nach einem Arhatic Yoga Wochenende bei Master Sai hat es mich nach Holland verschlagen, ich muss endlich mal beim Kiten lernen, da wieder anzukommen wo ich losfahre. Kitemeister Matthias wird es richten.
Hoi! Mal wieder in Vrouwenpolder. Gemeinde Veere. Hier ist es immer schön.
Vrouwenpolder Strand
Der nette, kleine Campingplatz Schorre war leider schon voll, daher bin ich gegenüber beim De Zandput eingekehrt. Der ist etwas klassischer und größer, aber auch in Ordnung. Das Wetter war ein wenig durchwachsen, aber das bin ich ja mittlerweile gewöhnt. Aber es gab auch ein paar sonnige Tage mit Wind, da haben wir es aufs Wasser geschafft, Kitemeister Matthias hatte zum Glück wieder die Geduld zu unterrichten. Steter Tropfen. Mein Equipment ist jetzt auch vervollständigt, dank Vertigo Sports.
Neeltje Jans
Matthias und Ricci leben ja jetzt in Zeeland, vielen Dank an die beiden für die leuke Zeit hier! Matthias gibt in Zeeland Kiteunterricht, kann ich nur wärmstens empfehlen, schreibt bei Interesse einfach eine Email an info AT karmakarma.de.
Wer auf der Suche nach einem Healing- & Yoga- & Ausbildungs-Center ist, sollte sich jeden Fall das KarmaKarma ansehen. Neben Yoga (on- und offline) gibt es auch tolle Reisen, teilweise mit Yoga und Kiten. Bei der Gelegenheit habe ich mal ein paar Bilder vom Retreat in Tarifa vor fast 10 Jahren rausgekramt. Da war ich noch großer Fan der Lomography.
Am 7. August ging es los von Deutschland Richtung Spanien. Ole. Ich kam erstmal bis in die Nähe von Bordeaux, und nächtigte passend vor dem Camping “Le Champion”. Am nächsten Tag ging es dann direkt nach Bilbao. So richtig einen Plan hatte ich nicht, und parkte erstmal ziemlich direkt in der Stadt und besuchte das Guggenheim Bilbao, aktuell mit Werken von Yayoi Kusama.
Yayoi Kusama im Guggenheim Bilbao
Bilbao machte einen sehr netten Eindruck, ein bisschen posh hier und da, aber das macht ja nichts. Da mein Parkplatz etwas gewagt war, und ich keine Lust auf Campingplatz hatte, ging es am nächsten Morgen dann aber gleich weiter wieder hoch zur Küste und Richtung Westen. Der Strand sah ganz nett aus, daher blieb ich eine Nacht auf dem Parkplatz bei El Paraíso de Berria. Das war leider keine gute Wahl, nachdem die lokalen Entertainer damit fertig waren die Leute beim Essen zu beschallen, ging es irgendwo noch privat weiter. Es klang etwas nach schlechtem Techno aus den 90ern. Das sahen wohl noch andere irgendwann so, und nach wildem, ausgiebigem Angeschreie war dann so gegen halb fünf Ruhe. Spanier in Aufruhr. Ich hab mich dann zeitig morgens wieder verabschiedet.
Santander machte alles wieder gut. Selten hat mich eine Stadt so schnell so sehr angelächelt wie diese. Eigentlich wollte ich schon wieder weg, Parken ist da schwierig, und auf dem Weg wieder raus aus der Stadt hab' ich das Parkhaus am Bahnhof gesehen. 38€, nun denn, aber für zwei volle Tage. Da ich mich auch hier nicht annähernd auskannte stolperte ich glücklicherweise erstmal ins Centro Botín.
Centro Botín
Neben Kultur gibt es hier auch Promenaden, Restaurants, Geschäfte, und so ziemlich überall Strände. Und alles in sehr gut. Ich wollte gar nicht mehr weg. Aber das wäre etwas früh gewesen.
Santander, meine Perle
Vor meiner Abreise besuchte ich noch El Oro de Klimt. Hach. Gleich hier zu bleiben hätte auch nicht zu dem Glückskeks gepasst, den ich beim Japaner bekam. Hier haben sogar Japaner Glückskekse.
Am 11. August ging es also weiter, immer der Küste lang. Sozusagen der Jakobsweg mit Verbrennermotor. Mit kurzem Stopp in San Vicente de la Barquera. Dann später kurz durch Gijón, aber da waren auf den ersten Blick nur Hochhäuser, Hotels und Strand, um dann eine Nacht in der Nähe des Platzes Camping Perlora zu verbringen. Ein seltsamer Ort war das. Bevor es weiterging nach Galizien noch ein Stop beim Leuchtturm Cabo Peñas.
Faro de Cabo Peñas
Der 12. August brachte mich dann bis zum Hafen von O Vicedo. Vorher machte ich einen längeren Stop in San Esteban de Pravia. Da kann man ein wenig die Küste entlang wandern.
Wandern bei San Esteban de Pravia
Der 13. August begann wieder mit einem Leuchtturm, diesmal beim Kap Estaca de Bares. Damit war ich beim nördlichsten Punkt der iberischen Halbinsel angekommen.
Kap Estaca de Bares
Hier beim Kap, beim Leuchtturm Cabo de Peñas, bei San Vicente de la Barquera und in Santander habe ich ein wenig mit den Drohnen gefilmt. Der Song ist schon etwas älter, da war ich so 15.
Da ich mir noch A Coruña und Santiago der Compostela ansehen wollte, fuhr ich den Rest des Tages durchs Land und landete zum ersten Mal wieder auf so etwas wie einem Campingplatz, der Área de autocaravanas fragas del Eume, irgendwo im Nirgendwo.
Am 14. August ging es erstmal nach La Coruña. Da konnte man überraschend gut parken, und ich hatte mich schon auf eine Nacht dort eingestelltg, aber irgendwie war die Stadt ziemlich entttäuschend. Zum Glück hatte ich den E-Roller dabei, und konnte einiges recht schnell abfahren, aber so richtig gefallen hat es mir nirgendwo. Wahrscheinlich tue ich der Stadt Unrecht, aber die kann man sich schenken. Also gleich weiter nach Santiago de Compostela. Da zu parken war wieder eine Herausforderung, aber irgendwo im Parkverbot hab' ich dann was gefunden, und spazierte bis zur Kathedrale, die muss man sich natürlich ansehen. Auch wenn ich mir ein wenig fehl am Platze vorkam, bei all den Pilgern. Das Zentrum ist wirklich nett, und viel los, aber übernachten wollte ich da auch nicht, also nochmal die Gastronomie nutzen und weiter.
Es wurde Zeit für den Westen Spaniens, und die erste Surfschule die ich fand' war Abel Lago südlich von Carnota / Muros. Und da bin ich jetzt schon eine Woche, seit ein paar Tagen beim Camping Ancoradoiro. Ab und zu ist so ein Campingplatz ja auch sehr angenehmen, so mit richtigen Duschen und Restaurant und solchem Luxus. Die ganze Ecke hier ist ein Traum, nicht zu viel los, und man ist umringt von großartigen Stränden.
Es tut auch ganz gut mal was runterzukommen, das waren jetzt doch zwei recht intensive Wochen.
1980 bezeichnete er sein Leben als „ein Drittel im Auto, ein Drittel schlafend und ein Drittel Musik spielend“.[12] Chet Baker.
Ein Drittel im Auto schaff' ich auch. Wo hier gerade die Wolken aufziehen. Es ist September. Auch in Spanien. Und damit schon die Hälfte des Jahres rum, das ich in einem Van verbringe. Zumindest in diesem. Man weiß ja nie.
Wenn ich das Display dieses Autos richtig verstehe, bin ich bis jetzt 8360 km gefahren. Das heißt, ich kann die Tage ohne Probleme die 1000 km runter nach Tarifa. Dann hab ich immer noch so 10 kkm übrig. Die werde ich wohl nicht brauchen, aber gut zu wissen. Die durchschnittliche Jahresfahrleistung eines Pkw-Fahrers in Deutschland liegt bei 11.230 km. Sagt zumindest Bard. Da werde ich dann wiederum drüber sein.
The Cleanest I've Been
Getankt hab ich in dem halben Jahr für 1835 € für so ca. 950 Liter und AdBlue. Für Camping- und Parkplätze (incl. Waschenmaschienen und sowas) hab ich gute 3000 € ausgegeben. Autobahngebühren kommen auf so 200 €. Wenn man mal kurz ignoriert, dass der Wagen 1814 € im Monat kostet, ist das ein relativ günstiges Leben was Unterkunft und Mobilität angeht, gute 800 € im Monat. Mit der Wagenmiete sind es dann auf einmal so 2600 €, da sieht es dann schon anders aus. Gehe ich mal von einer Warmmiete in Berlin von 1600 € aus (da ist aber kein Auto dabei), kostet der Spaß mich im Monat also so 1000 € extra bisher. Ein Auto würde ich mir in Berlin auch nicht zulegen, daher ist der Wert schon berechtigt. Objektiv müsste man die Kosten für ein Auto noch abziehen, sagen wir mal 350 €, dann kostet die Sache noch 650 € im Monat. Genug der Zahlen. Es ist es wert.
Doch noch eine Zahl. 1386. So viel GB sind bisher durch mein Starlink geflossen. Und das hängt gerade zusammen mit dem Laptop an der Anker SOLIX F2000 Powerstation, die das Ganze locker 2-3 Arbeitstage mit Strom versorgen kann. Und wenn die Sonne scheint ist die Station recht schnell wieder voll, dank der 2x200 Watt Panel. Das ist einiges zu transportieren, aber ohne würde es nicht gehen. Es sei denn, man steht ohne Unterlass auf Plätzen mit Strom und gutem Internet (kann man vergessen) oder hat einen unfassbar grenzenlosen Mobilfunkvertrag und immer Empfang. Alles nicht realistisch. Und das ganze esoterische Energiesystem hier in dem Wagen mit dem einen Solarpanel da oben schafft es mit etwas Glück den Kühlschrank am Laufen zu erhalten. Mehr als gute 60 Watt kommen da im besten Fall nicht durch das Panel, alles etwas enttäuschend. Ich erwähnte ja schon, kaufen würde ich diesen HYMER Grand Canyon S CrossOver nicht.
Wie oben erwähnt düse ich die nächsten Tage jetzt geradewegs nach Tarifa, das bisher großartige Wetter in Gallizien schwenkt gerade um, und ich will endlich mal mein Kitezeugs nutzen, das kam bisher nur ein Mal zum Einsatz. Wie lange ich dann da unten bleibe, mal sehen.
Willkommen also Teil 2 von 2! Und dann? Auch das, mal sehen. Ich beobachte hier Deutschland ein wenig, und die Lust, dahin zurückzukehren, hält sich gerade in Grenzen. Ein Land, in dem gerade jeder Fünfte eine Nazipartei wählen würde, wird mir unheimlich. Die AfD würde in Sachsen die Landtagswahl gewinnen, wenn sie jetzt stattfinden würde. 35,9 Prozent. Und das ganze in Deutschland. Man darf erinnern:
Am 31. Juli 1932 geben 37,3 Prozent der Deutschen in freien Wahlen ihre Stimme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), mehr als ein Drittel also. Spätestens jetzt ist Hitler nicht mehr nur ein Hinterzimmer-Schwadroneur, der es mit dem Antisemitismus ein wenig übertreibt. Er ist noch nicht der “Führer”, aber er führt schon die stärkste Fraktion im Reichstag.
Eigentlich müssten wir alle schreiend durch die Gegend laufen. Aber das wird schon. Hitler ging ja auch wieder weg.
Das (oft zu Recht) ach so gelobte Bundesverfassungsgericht – hier hat es in seiner wichtigsten Aufgabe komplett versagt. Eine Nazipartei nicht zu verbieten, weil sie gerade die Demokratie nicht ernsthaft gefährden kann – was ist das für eine schwachsinnige und brandgefährliche Argumentation? Jetzt ist die Gefährdung da. Man muss nur lange genug warten und nichts tun. Hier kann man Casdorff vom Tagesspiegel nur zustimmen. Da passt es gut ins Bild, dass in Deutschland selbst dann Politiker nicht mehr zurücktreten müssen, wenn sie in Flugblättern als ersten Preis “einen Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz” ausschreiben. Wie krank ist dieses Land eigentlich wieder geworden? Und warum regt sich keiner auf?
Ein wenig erbauliches Thema, aber ich kann und will die Realität hier ja nicht ausblenden. Und da ist ja noch diese Sache mit dem Klima. Die wird mich in Andalusien ja direkt betreffen. Was in Spanien gerade politisch passiert, gerade im Süden, ist ja auch nicht sehr hoffnungsvoll. Glückwunsch übrigens an Campact für diese Aktion hier, die ich gerne finanziell unterstützt habe:
Vielleicht hat Graeme Maxton recht, und liberale Demokratien sind nur dann zu gebrauchen, wenn es allen gut geht, und das ganze kapitalistische Getue nichts kaputt macht. Oder doch lieber Francis Fukuyama, der weiter an den Liberalismus glaubt.
The answer to these discontents is not to abandon liberalism as such, but to moderate it.
Aus Liberalism and its Discontents. Ich finde beide Seiten haben ihren Wert. Ich weiß es auch nicht, leider wird die Zeit darüber nachzugrübeln langsam knapp. Meine 950 Liter Diesel die ich verbrannt habe, haben die Sache auch nicht gerade nach vorne gebracht.
Ich halte ja wirklich nichts davon, auf dem Mars zu leben, auch wenn ich Elon für sein Starlink sehr dankbar bin. Aber was da gerade alles passiert auf diesem Planeten, es ist schon etwas verwirrend. Aber bleiben wir im Weltraum und lassen René Auberjonois am Ende zu Wort kommen, in seiner Rolle als Odo. Ich hab das irgendwann mal abgefilmt von meinem sehr großen Fernseher, der jetzt ja in guten Händen ist.
Da wir gerade bei abgefilmten Fernsehern und großen Schauspielern sind, hier ein etwas leichterer Nachschlag mit der großartigen Frances Conroy in American Horror Story: Double Feature.
Ich muss mich also beeilen, was den Stil angeht. Die andere Dame in dem Dialog ist übrigens Billie Lourd. Und damit sind wir wieder bei den Sternen, sie ist die Tochter von Carrie Fisher.
Nach diversen schlechten bis katastrophalen Erlebnissen mit diversen Firmen in jüngster Vergangenheit, hier ein Beitrag zum Thema wie man Kunden verliert.
Zunächst – was ist ein Kunde? Die Wikipedia sagt, ein Kunde ist
Das klingt schon ziemlich altbacken und einseitig. Wäre dies die dominante Sicht auf Kunden, ich würde hier wahrscheinlich nicht vor einem MacBook sitzen, das seine Daten mit Starlink durch die Welt schickt. Ich hätte auch kein Smartphone, sondern würde noch über ein Jamba-Sparabo nachdenken. Der Kunde ist primär kein Nachfrager mehr, sondern anspruchsvoller Empfänger von Angeboten auf einem globalen, oft digitalen Markt. Firmen werden zudem transparenter durch öffentliche Bewertungsplattformen wie Google Maps und private Erfahrungsberichte auf YouTube. Nachfrage wird in einigen Sektoren wie Energie oder Internet schon zu einem großen Teil durch Vergleichsplattformen kanalisiert.
Kunden sind deswegen nicht weniger relevant oder mächtig als früher. Im Gegenteil. Waren und Dienstleistungen können zum Teil in der ganzen Welt bestellt werden, eine Abhängigkeit von lokalen Anbietern existiert kaum noch. Selbst die Pampelmuse oder den Gitarrenlehrer kann ich online erwerben oder buchen. Auch Dienstleistungen für Unternehmen wie Beratung, Qualitätssicherung oder technische Infrastruktur werden auf einem globalen, konkurrierenden Markt angeboten. Man kann dies kritisch sehen, und der Trend zur Globalisierung hat in letzter Zeit etwas gelitten, aber an der prinzipiellen Situation wird sich wohl kaum noch etwas ändern. Einzig eine Invasion Taiwans durch China könnte die Grundfesten hier noch zum Teil erschüttern. Hoffen wir, dass es nicht so kommt.
Viele Firmen haben dies noch nicht begriffen. Sie sehen sich immer noch als Platzhirsch in ihrem Segment, weil sie dies einst waren (man denke an die deutsche Automobilindustrie). Strukturen werden als gefestigt angesehen und Kunden als gebunden, obwohl diese Strukturen vor ihren Augen zerfallen. Arroganz wird zu einem gefühlten Attribut, das Kunden im zunehmenden Maße abschreckt und zu anderen Anbietern treibt. Viele chinesische Firmen haben dies verstanden, und sind damit sehr erfolgreich. Made in China macht gerade eine ähnliche Entwicklung durch, wie einst Made in Germany. Aber auch Amazon ist ein gutes Beispiel für eine neue Form der Kundenorientierung.
Woran scheitern so viele Firmen, wenn es um Kunden geht? Es mag überraschend klingen, aber am Ende geht es zu einem großen Teil um Respekt und Gefühle. Fühle ich mich gut, freundlich, verlässlich und aufmerksam behandelt? Ist meine Interaktion mit einer Firma angenehm und reibungslos? Oder werde ich ignoriert und fühle mich ausgenutzt? Hänge ich in nervigen Warteschleifen einer Hotline oder ruft man mich aktiv an und präsentiert mir einen Lösungsvorschlag? Fühle ich mich als Kunde geschätzt? In Zeiten eines globalen Marktes haben es Kunden oft nicht mehr nötig, sich schlecht behandeln zu lassen. Erfolg und Gewinnoptimierung ist nur noch mit dem Kunden möglich, nicht ohne, oder sogar gegen ihn. Und es ist erstaunlich, was Kunden bereit sind zu vergeben, wenn sie sich dabei gut fühlen. Kaum jemand würde sich von einer Firma abwenden, wenn diese einen undramatischen Fehler ehrlich kommuniziert, sich entschuldigt, und für Wiedergutmachung sorgt. Respekt und Wertschätzung erlauben es hier auch Firmen, Fehler zu machen. Zumindest, wenn diese Fehler und Entschuldigungen nicht zum Standard werden (man denke an das tägliche, schon institutionalisierte Versagen der Deutschen Bahn).
Diese Gefühle des Kunden entstehen als Reaktion auf die Erfahrungen, die ein Kunde mit einer Firma macht. Diese Erfahrungen werden wiederum bestimmt durch die Schnittstellen zum Kunden, die die internen Prozesse einer Firma nach außen abbilden, abstrahiert für den Kunden.
Betrachten wir drei Faktoren, an denen Firmen scheitern, und die am Ende für die schlechten Gefühle beim Kunden sorgen: Komplexität, Kommunikation, Sichtweise.
Komplexität
Man redet in der Informatik mittlerweile gerne von Anwendungsfällen, also Szenarien, die eintreten können, wenn ein Kunde im Spiel ist. Hier tendieren einige, gerade junge Firmen dazu, sich auf die Regelfälle und die gewünschten Szenarien zu beschränken. Weil mit denen verdient man Geld. Keiner denkt daran, was zu tun ist, wenn es mal nicht rund läuft. Nennen wir dies die Happy-Path Illusion. Die Komplexität der Situationen wird auf die angenehmen Fälle beschnitten. Und hier sind wir auch gleich wieder bei den Menschen, denn Firmen wie Menschen zeigen dann ihr wahres Gesicht, wenn es mal nicht gut läuft. Fehlen hier Prozesse für den Unhappy-Path, werden in aller Regel Servicemitarbeiter mit dem verärgerten Kunden alleine gelassen und sind damit dann natürlich überfordert, weil es keine Prozesse gibt, die ihnen einen Weg aus der Misere zeigen. Und dies führt dann schnell zu verlorenen Kunden, schlechten Bewertungen oder sogar zum Rechtsstreit.
Alleine hier einen spürbaren Prozess zu haben, führt schon zu einer dramatischen Abmilderung der gefühlten Problematik beim Kunden. Merkt der Kunde, dass die Firma das Problem erkannt hat, und sich glaubhaft und eigenständig um eine effiziente Lösung bemüht, ist schon viel gewonnen.
Mein letztes Erlebnis mit UPS war ein Paradebeispiel für einen Totalausfall im Kundensupport. Ein Paket für mich ging verloren. Sowas ist sehr ungünstig, aber sowas passiert. Das wirklich problematische war, dass UPS für diesen Unhappy-Path keinen funktionierenden Prozess hat. Diverse Anrufe über mehrere Tage bei der einzigen Kundenschnittstelle – der Hotline – die zu nichts außer Ärger führten. Am Ende waren meine Gefühle Wut und Enttäuschung über die verlorene Lebenszeit, und die Arroganz und Unfähigkeit, mit der ich behandelt wurde. Wenn es irgendwie geht, werde ich UPS in Zukunft meiden. Dies sind kaum sichtbare Risse im Erfolg und Ansehen einer Firma, aber diese werden multipliziert durch Bewertungsplatformen wie Trustpilot. Dort hat UPS das schlechteste Ranking, das man haben kann. Und dies kann wiederum entscheidend sein für die Verantwortlichen einer Logistikabteilung. Bei Amazon wäre sowas nicht passiert.
Kommunikation
Als erstes sollte sich ein Firma klarmachen, welche Schnittstellen sie ihren Kunden anbietet. Nur diese Schnittstellen sind es, die darüber entscheiden, wie ein Kunde die Firma wahrnimmt. Eine Firma mag intern noch so glanzvoll und großartig sein, tolle Firmensitze, Tischtennisplatten, Obstschalen und Betriebsrenten haben – wenn die einzige Schnittstelle zum Kunden eine frustrierende Hotline ist, dann nehmen Kunden die Firma als genau diese frustrierende Hotline wahr, als sonst nichts. Wenn Kunden ein wichtiger Teil meines Geschäftes sind, dann sollten diese Schnittstellen genau das vermitteln, was ich als Firma repräsentieren und anbieten möchte.
Nennen wir dies den Black-Box Ansatz. Eine Firma sollte sich als Black-Box begreifen, in die Kunden nicht hereinschauen können (und wollen). Das einzige, was sichtbar und relevant ist, ist die Schnittstelle, die man dem Kunden anbietet. Dies mag trivial klingen, aber ich erlebte immer wieder Meetings, bei denen die Besonderheit von Entscheidungen, die die Kundenschnittstelle betreffen, nicht beachtet wurde. Es mag auf den ersten Blick für eine Firma äußerst sinnvoll erscheinen, das neue Produkt einen Monat später als angekündigt auf den Markt zu bringen, weil sich die Marketingabteilung gerade umfassend umstrukturiert. Oder den Support auf Email zu reduzieren, weil zu viele Supportmitarbeiter erkrankt sind. Aber diese Entscheidungen betreffen die Kundenschnittstelle, und sollten daher völlig anders bewertet werden, als rein interne Entscheidungen. Um so arroganter eine Firma wird, um so mehr tendiert sie dazu, die Konsequenzen für den Kunden auszublenden. Selbst wenn eine Entscheidung zu internen Problemen führt, dafür aber die Kundenschnittstelle nicht negativ beeinflusst, sollte man versuchen diesen Weg zu gehen, und sich um die entstehenden internen Probleme dann auch intern zu kümmern. Ist man an so einem Punkt, sollte man generell analysieren, wie man dahin kommen konnte, hier hat irgendein Manager in der Vergangenheit seinen Job nicht gut gemacht.
Interne Prozesse spielen für den Kunden überhaupt keine Rolle, was gerne vergessen wird. Manchmal versuchen Firmen, sich hinter genau diesen internen Prozessen und Strukturen zu verstecken. Sätze fallen wie “das hat unsere Rechtsabteilung leider nicht zugelassen”. Oder “da kann ich Ihnen leider nicht weiterhelfen, das macht hier eine andere Abteilung”. Oder “die Zinsen ihres Kredites werden von einem externen Dienstleiter festgelegt, die können wir nicht beeinflussen”. Oder halt im UPS-Stil “mein Vorgesetzter ist gerade im Urlaub”. Solche Sätze zeigen nur, dass eine Firma die Kontrolle über ihre Kundenschnittstelle verloren hat. Als Kunde erwarte ich eine Schnittstelle, die alle Kompetenzen hat, meine Belange zu bedienen. Dies muss sich nicht in einer Person manifestieren, aber diese Person sollte Teil eines leichtgewichtigen Prozesses sein, der den Kunden mitnimmt.
Hotlines sind die Jogginghosen der Kundenschnittstellen. So, wie sie aktuell umgesetzt werden, sind sie ein gutes Beispiel für garantiert miserable Kundenkommunikation. Dass sich so ein Konzept überhaupt durchsetzen konnte, zeigt nur, wie wenig Macht Kunden in der Vergangenheit hatten. Aber dies ändert sich gerade. Hotlines sind ein gutes Beispiel dafür, wie Kostenersparnis als blinde Größe optimiert wird, ohne den Schaden mit einzukalkulieren, die das bei Kunden, und damit im nächsten Schritt bei der Firma, verursacht. Wer seinen Kunden eine Hotline mit Wartezeiten über drei Minuten und Sprachcomputer anbietet, macht damit nur eines ganz klar – seine Kunden sind ihm völlig egal.
Ein damit oft einhergehender Fehler ist es, potentielle Neukunden besser zu behandeln als existierende Kunden. Hier kann man viel von der Gastronomie lernen, da gehört der Stammkunde traditionell zu den am besten gepflegten. Hier hat wieder der Unternehmensberater seinen Schaden angerichtet, der von wirklichem Erfolg und Kundenbindung nichts versteht. Dass man als potentieller Neukunde in kürzester Zeit jemanden am Telefon hat, als Bestandskunde aber in der Warteschleife geparkt wird – all dies zeigt, was man als Kunde wert ist. Dies hat sich bis in die Webentwicklung eingebrannt, Webseiten implementieren oft einen sehr gut sichtbaren Button zum Registrieren. Den Loginbutton muss man öfters erstmal suchen.
Das ganze Konzept der Hotline ist wie erwähnt eine einzige Beleidigung seiner Kunden. Einfachste Maßnahmen, die die Sache erträglicher machen würden, wie ein Rückruf wenn das Gespräch abbricht, werden nicht umgesetzt. Man darf nochmal anrufen, wieder in der Warteschleife warten, hat jemand anderen dran, muss seine Geschichte nochmal erzählen, und so weiter. Wer was auf seine Firma hält, sollte solche Hotlines sofort abschalten und wieder hinreichend viele Menschen mit ausreichender Kompetenz seinen Kunden anbieten. Stattdessen stellt man Social-Media Teams auf, die in sozialen Medien versuchen, ein besseres, moderneres Bild als der ungeliebte Hotlinemitarbeiter abzugeben. Leider ist dies allzuoft eine bunte Fassade, die schnell bei “Hey! Das tut uns sehr leid, dass Du diese Erfahrung gemacht hast! Bitte wende Dich mit Deinem Problem an unseren Support!” endet. Der soziale Mittelfinger. Da ist sie dann wieder, die Warteschlange mit dieser unerträglichen Musik.
Der Tiefpunkt der Kundenkommunikation ist das Ghosten des Kunden. Ich lernte diesen Begriff erst vor wenigen Jahren, der wortlose Kontaktabbruch von Beziehungen und Freundschaften. Man möge denken, so ein charakterarmes Verhalten spielt sich vorrangig auf Schulhöfen ab – weit gefehlt. Auch einige Firmen neigen dazu, bei Problemen mit Kunden den Kontakt einfach abzubrechen. Da sich die wenigsten Kunden auf einen Rechtsstreit einlassen, ist dieses Vorgehen ein teilweise vielleicht auch zunächst funktionierendes Konzept. Persönlich hatte ich das Vergnügen mit der Firma Roadsurfer. Nachdem sie das Problem mit meinem Mietwagen nicht per EMail lösen konnten, wurde sich totgestellt. Nach so zwanzig Tagen und einigen schlechten Bewertungen meinerseits meldete sich dann doch wieder jemand. Ghosten ist ganz schlecht für die Liebe, auch für die Kundenliebe. Man kann nur jedem raten, eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen, um sich in solchen Fällen effizient wehren zu können.
Es gibt noch diverse andere, schädliche Muster, die sich zum traurigen Standard erhoben haben. Zum Beispiel, Kündigungen zu erschweren. Wenn man einen Kunden schon so weit hat, dass er kündigen will – was gewinnt man dabei, diesen letzten Akt noch besonders schmerzhaft zu gestalten? Außer, dass dieser Kunde bestimmt nicht wiederkommt. Oder einfach ehrlich zu sein, wenn es ein Problem gibt, anstatt sich hinter Ausreden und Schweigen zu verstecken. Man hat Angst, “schlafende Hunde zu wecken”. Kunden sind aber keine Hunde, es sind Menschen. Und Menschen schätzen Ehrlichkeit viel mehr, als man denkt. Der Kunde ist König ist sicherlich selten zutreffend. Aber er sollte auch nicht der Narr sein. Damit sind wir beim dritten Faktor.
Sichtweise
Mit dem Siegeszug der Agilität und deren Einzug in die Firmenkulturen – und damit auch der Agilen Coaches – fanden auch Buntstifte und Knetmasse ihren Platz in den Besprechungsräumen. Ich wurde mal dazu aufgefordert, meine Firma als Tier zu malen. Man mag davon halten, was man will, aber fragen Sie ihre Abteilungen mal, wie sie “den Kunden” malen würden. Ich wette, sie bekommen vieles zu sehen, aber selten einen kompetenten, wertvollen, freundlichen, selbst denkenden Menschen. Eher einen Volltrottel ohne soziale Kompetenz, und leicht reizbar. Den Wutkunden sozusagen. Jemanden, den man besser auf Abstand hält und dabei darauf achtet, ihm möglichst viel Geld abzuknöpfen. Der Kunde als Stör- und Kostenfaktor. Woher kommt diese Sicht? Beim Support ist die Sache einfach, hier melden sich in erster Linie unzufriedene Kunden. In Zeiten sozialer Medien bestimmen zudem oft laute, frustrierte Minderheiten die Debatte. Wer sich auf diese leicht sichtbaren Kundenreaktionen beschränkt, landet mit Sicherheit bei einem völlig verzerrten Bild. Und wer sich dann von diesem Bild leiten lässt, riskiert sein ganzes Unternehmen an die Wand zu fahren, weil Chancen zur Weiterentwicklung nicht genutzt werden, da die laute Minderheit sie ablehnt. Dass die schweigende, zufriedene Mehrheit so eine Entwicklung sehr wohl mittragen würde, wird nicht gesehen.
Was kann hier helfen? Man muss sich einfach die Mühe machen, seine Kunden kennenzulernen. Was einem soziale Medien anschwemmen ist nur sehr eingeschränkt verwertbar. Es gibt mittlerweile unzählige, technische wie persönliche Ansätze, auf sinnvolle Weise mit seinen Kunden zu interagieren. Von der automatisch generierten Nutzungsstatistik bis zum Sommerfest. Dies kann mühselig sein, gerade in der Auswertung, aber wenn ich nichts über meine Kunden weiß, weiß ich auch nicht, wie ich erfolgreich bleiben kann. Ihre Kunden wissen am besten, wie Sie erfolgreich sein können, zumindest bei existierenden Produkten. Behandeln Sie sie entsprechend.
Manche Firmen stecken lieber ihre ganze Energie in die Implementation von Features, die sich irgendein selbstverliebter Product Owner ausgedacht hat, anstatt endlich mal die Top Five Features einzubauen, die sich die Kunden seit Jahren wünschen. Wenn man pleite gehen will – dies ist ein guter Weg.
Um wirklich kundenfreundlich zu agieren, bedarf es der Unterstützung der Geschäftsführung, und einer authentischen Umsetzung durch die Mitarbeiter. Das macht die Sache dann doch etwas schwierig, weil jetzt geht es um charakterliche Stärke, implementiert und gelebt in einer Organisation. Ein einsamer Supportmitarbeiter kann noch so hilfsbereit sein, wenn sein Handeln nicht belohnt und gefördert wird, wird es zu nichts als Frustration auf allen Seiten führen. Die New York Times hat sich in einem Artikel mit der Frage “Könnten Flugreisen noch miserabler werden?” beschäftigt – und kommt zu einem interessanten Vergleich mit der Hotelbranche:
Why don’t airlines innovate? Part of the answer is that they are in a capital-intense business and are largely driven by chief financial officers, while hotel management companies are asset-light and are driven by customer service managers. The former asks: How much more money can I squeeze out of this very expensive piece of equipment? The latter asks: How can I improve the customer experience and get paid for it? Which is why the experience of arriving at your hotel is so much better than the experience of flying to your destination.
Übersetzung von DeepL:
Warum sind Fluggesellschaften nicht innovativ? Ein Teil der Antwort liegt darin, dass sie in einem kapitalintensiven Geschäft tätig sind und größtenteils von Finanzchefs geleitet werden, während Hotelmanagementgesellschaften nur über geringe Vermögenswerte verfügen und von Kundendienstleitern geleitet werden. Erstere fragen: Wie viel Geld kann ich aus diesem sehr teuren Gerät noch herausholen? Letztere fragen: Wie kann ich das Kundenerlebnis verbessern und dafür bezahlt werden? Deshalb ist das Erlebnis, in Ihrem Hotel anzukommen, so viel besser als das Erlebnis, zu Ihrem Zielort zu fliegen.
Man sieht hier – mit Kunden erfolgreich umzugehen hat immer auch etwas mit Dienst am Kunden zu tun. Eine Tugend, mit der sich Menschen zunehmend schwer tun. Selbst bei Berufen, die inherent und primär Dienst leisten, wie Servicepersonal in der Gastronomie, oder ITOps in der Informatik, beobachtet man oft einen seltsamen, subtilen Widerstand, wirklich zu Dienst zu sein. So richtig zuvorkommende Kellner und Kellnerinnen trifft man gefühlt immer seltener. Und der ITOps Mitarbeiter besteht vehement auf das Ticketsystem, damit bloß keiner auf die Idee kommt, er könnte spontan helfen. Man möchte nicht der sein, der Dienst leistet, sondern der, dem man dient. Das wird bei Kellnern und Kellnerinnen aber schwierig. Man fühlt sich an Loriot erinnert.
Hier kommt die Arroganz wieder ins Spiel. Man hat es doch gar nicht nötig, nett zu seinen Kunden zu sein. Eine vielleicht neoliberale Sichtweise auf Kunden – hilf Dir selber! Und eine traurige Sichtweise. Etwas mehr Demut, Dankbarkeit, und Freude am Dienen würde allen guttun. Dienen ist Teil jeder erfolgreichen Karriere und Berufung. Wirkliche Größe hat nie ein Problem damit, zu dienen.
Und man wird auch nicht drum herumkommen, wieder nett zu seinen Kunden zu sein. Wie eingangs erwähnt, Kunden gewinnen an Macht. Eine Definition von Erfolg, die den Kunden nicht als zentrales Motiv hat, wird es immer schwerer haben. Dafür muss man aber damit anfangen, seine Kunden zu kennen und zu mögen. Nur dann kann man sie auch entsprechend behandeln. Zum Ende daher ein Zitat des Dharma-Meisters Fo Yin im Gespräch mit dem verrufenen Dichter Su Dong Po (1037-1101 n.Chr.)
Wenn Du Buddha in Deinem Herzen trägst, siehst Du Buddha in jedem anderen Wesen. Siehst Du um Dich herum nur Drecksäcke, dann zeigt dies, was Du in Deinem Herzen trägst.
Nach dem nördlichsten Punkt der iberischen Halbinsel bin ich nun am südlichsten angekommen. Tarifa. Und das schon seit zwei Monaten. Ist lange her, dass ich hier war. Es ist aber nach wie vor ein sehr bezauberndes Städtchen, mit viel Sonne, Strand und Wind.
Der Plan war, hier endlich mal vernünftig Kiten zu lernen. So wie der da oben auf dem Bild rechts. Also fast. Erstmal wieder da ankommen wo man losfährt. Und das klappt schon ganz gut, dank Franky und seinem Team vom KBC Tarifa.
Bisher stand ich meistens auf Campingplätzen, erst dem Torre de le Peña, jetzt auf Río Jara. Der erstere ist auf jeden Fall der schönere Platz, aber man kommt ohne Auto nicht zum Strand. Aber mit dem E-Roller. Was aber leider gar nicht erlaubt ist auf Spaniens Landstraßen. Das haben mir zwei Guardia Civil Polizisten auf ihren Motorrädern versucht zu erklären, als ich ohne Helm und mit Surfbrett auf dem Weg zum Strand war. Keine gute Idee. Das sollte dann auch 100 EUR kosten, aber so richtig hatten die dann doch keine Lust mich zurück zum Campingplatz zu eskortieren, und sind dann wieder gefahren. Auch gut. Aber diese Landstraße ist schon ein wenig der Highway to Hell. Fahrrad darf man da fahren, aber man sollte wirklich Helm und Vorsicht mitnehmen. Der Wind kann einen zudem teilweise fast vom Roller schmeißen. Einmal musste ich eine erfolglose Reanimation miterleben, da jemand betrunken mit dem Auto in den Gegenverkehr geraten ist. Ein anderes Mal war ich auf dem Rückweg von Malaga, es war dunkel, und auf einmal stand da ein Mädchen mitten auf der Straße. Ich konnte ausweichen, aber das war knapp. Sieht auf der Dashcam gar nicht so dramatisch aus, war aber krass. Eine Dashcam ist auf so einem Trip auf jeden Fall zu empfehlen, gerade wenn man alleine unterwegs ist.
Zwischendurch war der Andree hier, sehr erfreulich! Da stand dann mal Airbnb und ein ausführlicher Test der Gastronomie Tarifas in all ihren Facetten auf dem Programm.
Herr B und das Meer
Der Campingplatz Rio Jara hat den Vorteil (fast) direkt am Strand zu sein. Aber da ist nunmal erstmal der Fluss Rio de la Jara dazwischen. Und die Brücke darüber ist halt eingestürzt. Schade. Aber es gibt Schleichwege neben der Straße mit denen man doch recht schnell bei der für mich wichtigsten Institution Tarifas ankommt, der Strandbar Chiringuito Agua. Hier ist auch meistens der Treffpunkt mit dem KBC, wenn man nicht direkt in Tarifa kitet, was im Winter geht, oder nach Valdevaqueros fährt.
Playa de Los Lances
Wenn man nicht kiten kann, kann man ja noch Onewheel fahren. Das macht in Tarifa schon Spaß, da die Stadt recht hügelig und verwinkelt ist.
Tarifa Floating
Es hat mich dann doch einmal richtig schön hingepackt. Auf Asphalt zu fliegen ist halt doch was anderes als ins Wasser. Kitelandboarding sollte ich erstmal hinten anstellen. Ich war dann erstmal 3-4 Wochen körperlich etwas ausgeknocked. Aber für sowas hat man ja einen Playstation-Koffer dabei. Under the Waves passte irgendwie thematisch, sehr zu empfehlen. Forgive Me Father ist ein durchgeknaller Knaller, und zum Runterkommen empfiehlt sich Cats and the other Lives.
Apropos Katzen, hier kam immer mal wieder eine Wildkatze vorbei und meinte ich müsste sie füttern. Ich find' Katzenfutter ja wirklich nicht ansprechend, vor allem Nassfutter. Das Wort alleine macht Unbehagen. Aber es gibt hier im Shop nur Nassfutter, und die Katze (nennen wir sie Strayer) war recht konsequent im Vorbeikommen. Also hab' ich sie irgendwann gefüttert. Und jetzt wohnt sie hier meistens in der Nähe, vor allem unter meinem Auto.
Strayer
Und morgens kann ich drauf zählen, dass der Tag mit NASSFUTTER beginnt.
Ich weiß auch nicht wo das hinführen soll, irgendwann bin ich ja wieder weg. Vielleicht hat sich Strayer ja bis dahin etwas Winterspeck angefressen. Habe auch gerade gelesen, dass man streunende Katzen nicht füttern soll. Weil es dem Tier danach ja wieder schlecht geht. Eine nicht ganz überzeugende Argumentation. Strayer sieht auch äußerst gesund aus (mittlerweile). Ich muss wohl mal hier einen Tierarzt fragen die Tage. Auf Campingplätzen trifft man ja meistens Hunde. Hund und Fahrrad, das ist das traditionelle Camperbesteck wie es scheint. Hab' ich beides nicht. Es wird Zeit für E-Roller und Katzen. Das ist die Zukunft.
Apropos Winter, der hat hier auch ein ganz wenig Einzug gehalten, also für spanische Verhältnisse. Es regnet schon ab und zu mal, aber bisher gab es noch keinen Bedarf für die Heizung. Wenn die Sonne scheint ist es hier nach wie vor sommerlich, und dabei angenehm wenig voll.
Drohne bin ich bisher kaum geflogen, aber es gibt schon was. Da muss aber noch mehr, ein Video mach ich später draus.
Drohnen am Strand
Zwischendurch war ich ein paar mal in Malaga, auch weil da ein deutsches Konsulat ist. Man muss ja gerade in Deutschland noch so ziemlich alles offizielle offline erledigen. Aber immerhin geht sowas in einem Konsulat. Berufskonsul ist auch ein Beruf den ich mir vorstellen könnte. Ansonsten hat mich Malaga auf den ersten Blick nicht so umgehauen. Granada ist dagegen wirklich schön. Ich sage bewusst nicht nice. Alle über 30, bitte hört auf nice zu sagen.
Manchmal trifft man Leute mit dem gleichen Wagen. Die sind von dem Hymer Ausbau auch nicht begeistert. Ich werde nach dem Jahr mal ein zusammenfassendes Video zu dem Wagen machen.
Hymer vs. Hymer
Mitte November geht es so zehn Tage nach Barcelona, da findet ein Arhatic Yoga Retreat statt. So sehe ich auch nochmal die Stadt. Den Rest des Jahres verbringe ich wohl wieder in Tarifa, und Mitte Januar geht es nochmal einen Monat nach Fuerteventura. Und dann geht es zurück nach Deutschland, das Jahr ist rum. So schnell geht das. Aber es sieht ganz danach aus, als ob es ein längeres Van-Revival geben wird, Ende 2024. Ohne Hymer, aber mit Mercedes. In besser, größer, und mit brilliantem Sound. Aber das ist noch geheim. Hier erstmal brillianter Sound meiner Kollegin Pooja B.
Der Titel deutet es schon an, es wird etwas skeptisch. Um nicht zu sagen dystopisch. Zumindest hoffe ich, dass ich in vielem Unrecht habe, was gleich kommt.
Ich hatte mal den Plan, durch Spanien zu fahren, und mir da irgendwo ein nettes Häuschen zu kaufen. Ich hab mich auch ein wenig umgesehen, im Norden und im Süden. Aber ich bin mit der Zeit immer mehr von der Idee abgekommen. Nicht, weil es hier keine schönen Häuschen gibt. Ganz im Gegenteil. Aber ich würde in so ein Haus all mein Geld stecken, wie es halt so ist, wenn man ein Haus kauft. Und das sollte dann schon so für 20-30 Jahre auch Freude machen können. Im Idealfall sollte es auch im Jahre 2100 noch einen guten Wert haben. Und daran habe ich langsam meine Zweifel. Aus drei Gründen: klimatische Veränderungen, Klimamigration, und der politischen Entwicklung Europas.
Mit klimatischen Veränderungen meine ich die Folgen des Klimawandels, also den Anstieg des Meeresspiegels, Extremwetterereignisse wie Überflutungen und Hitzewellen, sowie Wassermangel. Schon absolut akut ist hier in Andalusien der Wassermangel. Die lokalen Medien berichten fast täglich davon.
Und die politische Situation in Spanien sieht nicht danach aus, dass hier bald vernünftige Regelungen getroffen werden. Stattdessen wird ein klassischer Verteilungskampf geführt, zwischen dem Norden und dem Süden, und zwischen den Reichen und den Armen. Daher darf man hier die Prognose wagen, dass das Wasserproblem in Spanien dramatisch und rasant zunehmen wird. Konflikte sind so vorprogrammiert, gerade in Andalusien. Hier jetzt eine Immobilie zu erwerben ist also mit massiven Unsicherheiten verbunden, gerade wenn man nicht in einem “abgesicherten” Touristenort wohnt. Ob und wie man in Zukunft dann Zugang zu Wasser hat, ist ein großes Fragezeichen.
Hitzeperioden sind ein weiteres Thema. 30 Grad im November sind ja (auf den ersten Blick) ganz schön, aber wenn es dann 45 im Sommer werden, wird es heikel. Und dann die Klimaanlage non-stop ballern zu lassen, ist eine wenig nachhaltige Lösung. Solarstrom hat hier zumindest das Potential, das Stromproblem abzumildern. Aber auch wenn das konsequent umgesetzt wird, ist man bei solchen Temperaturen an seine Innenräume gebunden. Auch nicht so toll.
Denkt man ein paar Jahre weiter, wird man mit dem Anstieg des Meeresspiegels und dem Flutrisiko konfrontiert. Hier sind Prognosen kompliziert und von vielen Faktoren abhängig. Aber Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten sind auch hier absehbar. Die folgende Karte zeigt eine Prognose für Tarifa im Jahre 2100 für den Anstieg des Meeresspiegels (in rot), bei der Annahme dass moderate Maßnahmen zur Bekämpfung umgesetzt werden und wir ein moderates Glück mit der Entwicklung haben.
Nimmt man noch die Auswirkungen einer Flut dazu, die einmal im Jahr auftreten könnte, sieht es aus wie folgt.
Dies sind wie gesagt Prognosen, aber sie machen zumindest eins klar – es wird Veränderungen geben, und diese Veränderungen haben das Potential, gerade Küstenregionen zumindest zeitweise komplett umzukrempeln. Um hier effektiv gegenzusteuern müsste man jetzt anfangen. Madame de Pompadour lässt grüßen.
Ein heikler Punkt, und man redet nicht gerne drüber, aber es gibt sie, und es wird noch viel mehr geben – Klimamigration. Und um das ganz klar zu machen, ich habe dafür vollstes Verständnis. Es ist auch schwer, dieses nicht zu haben. Wenn ich in meiner Heimat nicht mehr überleben kann, dann habe ich gar keine andere Wahl, als woanders hinzugehen. Das würde ich genauso machen. Wie jeder andere auch. Und ich würde mit Fug und Recht erwarten, dass gerade die Länder, die maßgeblich die Verantwortung für die Klimaerhitzung haben, mir jetzt wenigstens dabei helfen, zu überleben, und mir etwas von ihrem geliehenen Wohlstand abgeben.
In seiner Gesamtheit ein komplexes Thema, das ich hier nicht annähernd ausbreiten möchte, sondern mich auf die reinen Prognosen beziehen. Zum Beispiel die der Weltbank, dass es bis zum Jahre 2050 über 140 Millionen Klimageflüchtete geben könnte. Warum das so ist, wird von der Welthungerhilfe gut erklärt. Oder die Einschätzung der Environmental Justice Foundation, dass 720 Millionen Menschen extreme Armut droht wenn wir die Klimakrise nicht bekämpfen. In Spanien ist diese Entwicklung natürlich auch schon Thema, zum Beispiel werden die Kanaren immer öfters das Ziel von Geflüchteten. Und wenn die Wasserknappheit in Andalusien so weitergeht, hat Spanien bald Binnengeflüchtete, weil es im Süden zum Teil auch keine Lebensgrundlage mehr gibt.
Eines ist leider abzusehen – die Länder, die maßgeblich etwas ändern könnten, tun es nicht. Sie tun hier und da ein wenig, aber bei weitem nicht genug. Man muss diese Prognosen also ernst nehmen. Wenn selbst ein reiches Land wie Deutschland sich innerlich fast zerfleischt an einem vergleichsweise trivialen Thema wie dem Gebäudeenergiegesetz, was kann man dann noch ernsthaft erwarten?
Diese Entwicklungen werden Menschen auf dem Planeten neu verteilen, es wird Klimamigration geben und es wird massiven Widerstand dagegen geben. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie das genau aussehen wird. Es ist eine schmerzlich unzulässige Banalisierung der Thematik, aber ich weiß auch, dass ich dann nicht auf einer Immobilie hocken möchte, die sich möglicherweise im Schmelztiegel dieser Konflikte befindet. Wo sich diese Konflikte austragen werden, kann keiner absehen, aber Europäische Grenzen werden mit Sicherheit eine zentrale Rolle spielen. Ich kann hier gerade in Tarifa nach Afrika herüberschauen. Hier fahren jeden Tag Fähren nach Tanger und zurück. Vielleicht werde ich mich eines Tages an diese friedliche Zeit zurücksehnen müssen. Vielleicht sind die ganzen Prognosen auch falsch, und die FDP hat recht, und alles wird gut durch die noch nicht erfundene Erfindung. Aber darauf verwette ich bestimmt nicht meine Zukunft.
Einer der Gründe, warum die Welt mit umweltpolitischen Themen nicht weiterkommt, ist die politische Entwicklung Europas und der USA. Konservative und rechte Parteien haben einfach kein großes Interesse am Klimaschutz. Kleine Hoffnungsschimmer wie aktuell Polen verblassen gleich wieder, wenn man sich zum Beispiel Deutschland ansieht. Oder die Wahlprognosen in den USA. Oder auch Spanien. Hier zerfleischt man sich lieber an der Amnesie für Separatisten, anstatt sich Gedanken über die Wasserversorgung Andalusiens zu machen. Gerade im Süden sind hier die rechten Parteien stark. Und die machen keine Konzepte wie es besser gehen könnte, die wollen halt Wasser aus dem Norden, damit weiter die Erdbeeren begossen werden können. Was das in Zukunft für die Gastfreundschaft der spanischen Behörden bedeutet, kann man schwer absehen. Hier höre ich jetzt schon abenteuerliche Geschichten über Behördenirrsinn bei dem Versuch ein Hotel oder Restaurant zu eröffnen. Und ich kann auch gut nachvollziehen, dass man irgendwann ungehalten wird, wenn man sein eigenes Wasser aus einem Tankwagen abzapfen muss, während die schicke Stadt nebenan keinerlei Probleme hat, weil da die Touristen spazieren und sich überteuerte Häuschen mit Pool kaufen. Kein wirklich schönes Klima braut sich da zusammen, um sich hier niederzulassen.
Das war jetzt kein Bewerbungsschreiben bei den lokalen Immobilienmaklern. Und wie Eingangs gesagt, ich hoffe, dass ich bei vielem falsch liege. Aber Risiken sind da, Prognosen sind da, und diese werden fast komplett ignoriert, vor allem von den Akteuren, die etwas verändern könnten. Mein kleines Häuschen, das ich nicht kaufen werde, ist hier nur der Aufhänger, um sich diesen Irrsinn bewusst zu machen. Am besten kauft man sich vielleicht mittlerweile ein Boot. Oder halt einen Van. Dann kann man immer wegfahren, wenn es brenzlig wird. So langsam fühlt man sich an Waterworld oder Mad Max erinnert. Ich habe mich für die Mad Max Variante entschieden.
Das Jahr neigt sich dem Ende. Also 2023. Mein Roadsurferjahr geht ja noch bis Ende Februar. Es ist schon etwas ungewohnt hier zu sitzen, während die Schneestürme über Deutschland ziehen. Und man hört, dass die deutschen Bahnen mal wieder nicht fahren. Wegen Schnee. Oder Streik, oder beidem.
Und dass der deutschen Politik auf einmal 60 Milliarden Euro fehlen für einen riesen Haufen wichtiger Projekte. Weil man so keine Schulden machen darf. Man könnte die Schulden jetzt aber neu und korrekt machen. Die waren ja schon besprochen. Dann hätte man ja das Geld wieder. Jetzt will man aber lieber sparen. An denen die eh keine Kohle haben und an Kindern. Gute Idee, FDP. Man fragt sich, ob in diesem Land die Bahnen jemals wieder pünktlich fahren werden. Vielleicht sollte ich in jenem Land sagen. Ich bin ja in Spanien. Aber nächste Woche fliege ich für zwei Wochen nach Deutschland. Damit ist meine Klimabilanz endgültig ruiniert. Aber es ist ja auch schön, Weihnachten nicht alleine auf einem Campingplatz rumzusitzen. Obwohl, Strayer ist auch wieder da. Er schnurrt jetzt sogar manchmal. Ich bin wieder in Tarifa.
Strayer is Back
Aber man darf die Hoffnung auch nicht aufgeben. Peter Gabriel hat nach 21 Jahren wieder ein Album gemacht. Und nach Ansicht des Time Magazins ist Taylor Swift der Mensch, der die Welt in den letzten zwölf Monaten am meisten verändert hat. Deutschland braucht eine Taylor. Und bestimmt keine Sahra Wagenknecht, Himmel! Sahra, das Worst-Of von Links und Rechts. Dieses Land macht mir immer mehr Angst. Eh, ich meine jenes Land. Ich weiß auch nicht.
Aber bleiben wir in Spanien, ich bin doch noch ein wenig rumgekommen. Erst Barcelona, das Arhatic Yoga Retreat. Das war ein Highlight, und es wurden dankenswerterweise auch zwei Ausflüge organisiert.
Barcelona
Montserrat
Dann kam erfreulicherweise Anna für eine Woche zu Besuch, und hatte mich zum Caminito del Rey eingeladen. Vorher ging es noch kurz nach Córdoba.
Córdoba
Caminito del Rey
Auch äußerst sehenswert war Ronda.
Ronda
Auf dem Rückweg nach Tarifa noch ein kurzer Stop in Gibraltar.
Gibraltar
Von Tarifa aus kann man Tagesausflüge mit der Fähre nach Tanger machen. Also kurz mal rüber nach Afrika. Der Regen in Marokko hörte dann glücklicherweise recht schnell auf. Auch wenn ein Tag nicht viel ist, ein wenig Burroughs-Feeling kommt schon auf.
Tanger
Anna hat mir eine großartige Driven Like the Snow Cap geschenkt übrigens.
Valdevaqueros
Dann flog Anna wieder nach Berlin, und da ich eh beim Flughafen Málaga war, bin ich noch was durch die Stadt spaziert. Und auf einmal hat mir Málaga wirklich gefallen, ich war vorher scheinbar in den falschen Ecken.
Málaga
Am Donnerstag bin ich wieder am Flughafen, diesmal steige ich selber ein. Gestern war dann wohl auch das letzte mal Kiten in diesem Jahr. Mein Jahresziel ist auch erreicht, ich komm wieder da an, wo es losgeht. Herrlich. Daher nochmal vielen dank an Kitemeister Matthias und den KBC Tarifa! Wer in Zeeland in Holland oder Tarifa Kiten lernen möchte – das sind die besten Adressen.
Kurz vor Silvester bin ich dann wieder hier, und werde den Jahreswechsel in Portugal begehen. Freut mich, damit ist Portugal doch noch auf dem Programm, bevor es zum Abschluss nach Fuerteventura geht.
Seit einiger Zeit höre ich immer öfters von Ayahuasca, ein stark psychedelisch wirkendes Gebräu aus Pflanzen, das traditionell von Schamanen des Amazonas bei religiösen Zeremonien verwendet wird. Es wird mittlerweile bei diversen Netflix-Dokumentationen thematisiert, YouTube ist voll davon, und Menschen, die nie irgendetwas mit Drogen zu tun hatten, denken auf einmal darüber nach, an einer solchen Zeremonie teilzunehmen. Es gibt einen regelrechten Hype, man kann ganze All-Inclusive Camps buchen, und sich gleich tagelang mit Ayahuasca zuballern, und das nicht mehr nur in Südamerika. Die Sache ist ein legales großes Business geworden, mit all seinen Schattenseiten.
Mich stimmt das etwas nachdenklich, da ich vor über zwanzig Jahren selbst an einem Ayahuasca-Ritual bei Berlin teilgenommen hatte. Damals war der Name Yage noch gängiger, und im Westen noch großenteils unbekannt. Eine kolumbianische Freundin hatte mich auf den Besuch von einigen bedeutenden Schamanen aufmerksam gemacht. Es gab eine Ausstellung, und das besagte Yage-Ritual. Ich war erst skeptisch, und hatte mich von stark halluzinogenen Drogen wie LSD immer bewusst ferngehalten. Mein Leben war zu jener Zeit schon ausreichend mit spirituellen Erfahrungen versorgt, die über einige Zeiten auch recht fordernd waren. Stanislav Grof, der viel über das therapeutische Potential von LSD und Auswirkungen von Energien wie der Kundalini forschte, prägte den wegweisenden Begriff spirituelle Krise. Ein anderes Thema. Aber dieses Yage-Ritual klang dann doch verlockend, es war ja kein Partyevent, sondern eine Heilungszeremonie mit ernstzunehmenden Schamanen. Yage hat definitiv ein heilendes Potential. Aber es war auch kein Spaziergang, und ohne Anwesenheit und Leitung der Schamanen wäre es absolut unverantwortlich gewesen. Daher bin ich skeptisch, wenn ich den aktuellen Hype sehe. Yage ist absolut keine Spaßdroge, es ist überhaupt keine Droge im eigentlichen Sinne. Es ist auch keine Substanz, die primär zu schönen Erlebnissen führt. Es ist der Zutritt in eine intensive, sehr fremde Welt, in der man sich ohne die richtige Führung sehr schnell verlieren kann. Bei all diesen weltweiten Events habe ich einige Zweifel, dass der Rahmen dort immer entsprechend ist.
Ich hatte das Glück, dass die Schamanen damals in Berlin alles verkörperten und mitbrachten, was für eine solche Zeremonie wichtig zu sein scheint.
Ich war aber damals schon lange kein Pionier des Westens mehr. Im Jahr 1963 kam ein Büchlein mit dem Titel The Yage Letters heraus, in dem Briefe zwischen William S. Burroughs und Allen Ginsberg veröffentlicht wurden. Wie der Titel suggeriert, es geht um Yage. Ich war ja letztens erst in Tanger, dort hat Burroughs Naked Lunch geschrieben. Seine Yage-Erfahrungen waren dabei wohl nicht ganz unerheblich.
Ein paar Tage nach der Zeremonie hatte ich damals meine Erlebnisse aufgeschrieben. Diesen Text habe ich wiedergefunden, und veröffentliche ihn nun hier. Ich erwähnte ja schon, dass ich mir sehr genau überlegen würde, gerade an einem der gehypten Camps teilzunehmen. Es gibt bessere, ungefährlichere Wege, um sich mit seinem Selbst auseinanderzusetzen. Yage ist nicht ohne Grund Schamanen vorbehalten gewesen. Ich hatte wie gesagt das Glück, dass die Kompetenz und der Rahmen stimmten. Den Rest überlasse ich dem Leser. Nun der Text von damals.
Das Ritual (Text vom 8.9.2002)
Am 5.9.2002 nahm ich an einer Heilungszeremonie teil, welche von drei kolumbianischen Schamanen durchgeführt wurde. Bestandteil der Zeremonie war die Einnahme einer Droge mit dem Namen Yage, auch als Ayahuasca (“vine of the soul”) bekannt.
Hier ein Auszug aus dem Buch “Plants of the Gods”:
There is a magic intoxicant in northwesternmost South America which the Indians believe call free the soul from corporeal confinement, allowing it to wander free and return to the body at will. The soul, thus untrammeled, liberates its owner from the realities of everyday life and retroduces him to wondrous realms of what he considers reality and permits him to communicate with his ancestors. The Kechua term for this inebriating drink- Ayahuasca (“vine of the soul”) – refers to this freeing of the spririt. The plants involved are truly plants of the gods, for their power is laid to supernatural forces residing in their tissues, and they were divine gifts to the earliest Indians on earth.
Im Folgenden beschreibe ich meine Erfahrungen , die ich in dieser Nacht gemacht habe.
Das Umfeld
Die Zeremonie fand im Umland von Berlin statt. Zusammen mit einer Freundin und drei weiteren Personen fuhren wir gegen Abend dorthin und fanden uns inmitten einer recht großen Gruppe von ca. 50 Personen wieder. Nach einigen organisatorischen Schwierigkeiten zogen wir mit Schlafsack und Decken ausgerüstet in den Raum ein, in dem die Zeremonie stattfinden sollte. Querubin Quezin, der ranghöchste Schamane des Amazonas leitete diese zusammen mit Querubin Queta Alvarado und Jose Sebastian Janasoy. Angekündigt wurde die Zeremonie als Reinigungs- und Heilungszeremonie. Der Raum wurde mit Räucherwerk stark eingeräuchert. Da empfohlen wurde, den ganzen Tag keine feste Nahrung zu sich zu nehmen, war ich allein durch diese äußeren Umstände schon leicht “benebelt” und ein wenig nervös. Ich entschied mich aber, jetzt an der Zeremonie auch teilzunehmen. Es wurde still. Dann wurden zunächst die Männer aufgerufen, nach vorne zu kommen. Ich stellte mich an und bekam eine Tasse gereicht. Ich trank eine bitter schmeckende Flüssigkeit und ging zurück zu meinem Platz. Dann kamen die Frauen an die Reihe und ich saß gespannt aber nicht mehr nervös auf meinem Schlafsack und wartete...
Die Schwere Phase
Ca. 15 Minuten geschah nichts. Es war still, da immer noch nicht alle die Flüssigkeit überreicht bekommen hatten. Mein Magen fing leicht an zu schmerzen. Mir war bekannt, dass ein Erbrechen der Flüssigkeit nicht ungewöhnlich ist – so wunderte ich mich nicht weiter. Es vergingen noch einige Minuten bis ich merkte, dass mein Körper schwer wurde. Ich konnte nicht mehr sitzen und legte mich. Langsam driftete ich in eine innere Welt, die mit Worten schwer zu beschreiben ist. Ich hatte zwar keine Halluzinationen bei offenen Augen, die Welt die sich mir bot, wenn ich die Augen schloß war dagegen beeindruckend. Bewegende geometrische Muster von unglaublicher Komplexität boten sich dar und ich fing an mich in dieser Welt langsam zu verlieren. Ich kann nicht sagen, dass mir allzu Wohl bei der Sache war, Angst kam ins Spiel. Aber ich war bald nicht mehr in der Lage, mich gegen diese Flut an Bildern zu wehren.
Die Schamanen fingen an, mit einer Art Flöte eine seltsame Musik zu machen. Zudem sprachen sie teilweise lange Phasen vor sich hin in einer murmelnden Sprache, die fremd und berauschend klang. Die Schamanen hatten selbst Yage getrunken und wirkten wie in Trance. Ich wurde mit Ängsten konfrontiert, die mir aus früheren Kundalinierfahrungen bekannt waren. Nur, dass diese Angst diesmal in Gestalt einer blauen Schlange vor mir auftauchte und in dieser bunten, so absolut anderen Welt, vor mir herumwuselte. Die Angst stieg an. Interessant an der gesamten Zeremonie war, dass ich niemals das verlor, was man vielleicht “wahres Ich/Bewusstsein” nennen könnte. Mir war stets völlig klar, dass ich aufgrund der Einnahme eines Pflanzenextraktes in dieser Welt war, und das war ein Anker, der mich trotz all dieser Eindrücke noch klar denken ließ. In dieser absolut unbeschreiblichen Welt suchte ich nach Gott. Diese Welt war so anders, dass das, was man sich unter Gott vorstellte, nicht hinzupassen schien. Ich fand keinen Gott, ich war verloren in einer Welt, die so fremd und anders war. Ich fiel immer tiefer in diese Welt und das nächste, was ich wieder halbwegs klar wahrnahm, war, dass ich ein kurzes Gebet/Anrufung innerlich sprach, was ich jeden Morgen und Abend spreche. In diesem Gebet wende ich mich an meinen spirituellen Lehrer GMCKS, der mich einen großen Teil meines Lebens sehr geprägt hatte, und bis heute prägt. Just in diesem Moment hatte ich das Gefühl, aus dieser Welt hinausgezogen zu werden, die Schlange driftete ab und ich gewann wieder etwas Boden und versuchte wohl mich hinzusetzen. Etwas Klarheit kehrte wieder und ich bemerkte, dass die Schamanen anfingen, Rituale durchzuführen. Ich konnte nicht ganz wahrnehmen, was sie taten, aber diese Rituale ließen all die Angst schwinden und langsam wich die Nervosität dem Gefühl der Ruhe. Es mußten so ca. zwei Stunden vergangen sein und der Gedanke, dass die Wirkung der Pflanze die ganze Nacht andauern würde stimmte mich nicht allzu positiv, aber langsam wurden die Erfahrungen angenehmer. Die Welt der schwirrenden Wesen und pulsierenden Objekte verabschiedete sich mit einem Lächeln, dass mich an die Katze aus Alice im Wunderland erinnerte.
Die Tiefe Phase
Nachdem die angstvolle/giftige Phase langsam ging, kam eine sehr tiefe und überwältigende Phase. Ich hatte akustische Halluzinationen, ich hörte eine Art Musik wie von Wassertropfen und wenn ich die Augen öffnete schien alles seltsam verzerrt, wie bei einem schlecht eingestellten Fernseher. Die Freundin, die neben mir lag, sagte etwas zu mir, aber ich konnte die Worte nicht zu einem Sinn zusammensetzen, die äußere Welt war für diese Zeit einfach zu weit weg.
Menschen in meiner Nähe fingen an, seltsame, schüttelnde Bewegungen zu machen, andere schrien auf einmal auf oder weinten verzweifelt. Ich war zu überwältigt von der Droge und nahm dies alles einfach nur wahr. Manchmal dachte ich, dass die Wirkung nachließ, aber schon kurze Zeit später war mir ziemlich klar, dass die Wirkung noch völlig präsent war. Nach einiger Zeit erklärte mir die Freundin, dass die Schamanen anboten, einen weiteren Becher Yage zu trinken. Da ich noch völlig überwältigt war, dachte ich nicht annähernd daran, davon Gebrauch zu machen und bewunderte die Menschen, die sich dort ein weiteres Mal anstellten. Ich spürte die ganze Zeit eine unglaubliche Müdigkeit, versuchte aber stets, nicht einzuschlafen. Ich wollte den weiteren Verlauf der Erlebnisses nicht dem Schlafe überlassen. Die Zeremonien gingen weiter und ich gewann wieder ein wenig Boden. Ich dachte über die angstvollen Erlebnisse nach, die ich zuvor hatte, über Gut und Böse und auf einmal kam wie ein Blitz ein Gedanke in meinen Kopf: “Alles ist Heilung”. Was so fast banal klingt, offenbarte sich als große Wahrheit, ich begriff, dass es kein Gut und Böse zu geben schien, dass all das, was man in sich als böse empfindet, nichts anderes sind, als Aspekte, die geheilt werden sollen. Dass es keinen Sinn hat, Angst vor Erlebnissen, so erschreckend sie auch sein mögen, zu empfinden, da sie nichts anderes sind, als Heilungsprozesse. Ich fing an, über mich nachzudenken und stellte fest, dass ich in diesem Zustand in der Lage war, mich selbst wie als eigenen Gegenüber zu betrachten. Ich betrachtete mein Leben und sah all die Ängste und Trauer, die ich mit mir herumtrug und viele Dinge, die mir im Alltag nicht bewußt waren, wurden auf fast erschreckende Art und Weise offenbar. Ich bekam tiefe Einsichten über meine Situation und mir wurden einige Dinge klar, die ich bis zu diesem Zeitpunkt immer verdrängt hatte. Diese Klarheit war zwar auf der einen Seite fast “brutal”, aber sie war sehr lehrreich und ich bekam zum ersten mal ein Gefühl für mich, für mein Leben und für das, was ich eigentlich tat und wollte/wünschte. Ich bemerkte Dinge, die mich belasteten, die ich aber immer verdrängt hatte.
Und dann stellte ich etwas weiteres faszinierendes fest. Das, was man wohl als Charakter oder Ego bezeichnet, war weg! Es war zwar noch das “Ich” da, aber das Ego, dass, was man von sich selbst hält, was man versucht zu repräsentieren, zu sein, fehlte! Und ich fing an zu überlegen, was ich im Alltag eigentlich für ein Ego hatte, was für ein Mensch ich versuchte zu sein. Und ich versuchte ein Ego zu finden, das mir zusagte. Ich “erschuf” mir fast eins, welches ich für angemessen hielt, welches mir half, mit den Erfahrungen weiter umzugehen. Es war, als ob man seinem “Ich” eine Hülle gibt, mit dem es in der Welt gut zurechtkommt.
Es war faszinierend. Ich überlegte, was ich gerne sein wollte, was ich darstellen wollte, was mein “Ego” ausmachen sollte. Und dann geschah etwas wunderbares. Die Schamanen sangen wieder und ich legte automatisch meine Hand auf mein Herz. Ich spürte eine starke Verbindung zu meinem Herzen und mir wurde all die Trauer bewußt, die dort verborgen lag. Doch dann schien es sich zu öffnen und ich fühlte eine immer stärker werdende Liebe zu allem, was mich umgab. Zu den Menschen, die in meinem Leben waren Und dann wurde alles wunderbar.
Die Liebende Phase
Mein Herz schien wie ein Flutlicht an die Decke zu strahlen und ich wurde überwältigt von einem wunderbaren Glücksgefühl. Ich mußte lächeln und teilweise sogar ein wenig lachen. Ich sagte zu der Freundin, wie wundervoll alles wäre, doch ich merkte auch, wie unterschiedlich die Erfahrungen waren, die wir machten und so versuchte ich, meine Erlebnisse für mich zu behalten. Ich fing an mich wohl zu fühlen und dieses Gefühl, eine sichere Position für alle weiteren Ereignisse gefunden zu haben, wich auch den Rest der Nacht nicht mehr.
Ich war wie beseelt und die Rituale der Schamanen schienen den Raum mit Schutz und Segen zu füllen. Wir wurden in kleinen Gruppen nach vorne gerufen und eine Reinigungszeremonie wurde durchgeführt. Am Ende gab mit Querubin Quezin die Hand und ich sah in ein lächelndes Gesicht, das so voller Liebe und Güte war, dass ich bis heute eine große Dankbarkeit und Liebe für diesen Schamanen empfinde. Der weitere Verlauf der Nacht war von diesem Gefühl der Sicherheit und Liebe geprägt und ich wünschte, dass die Nacht kein Ende nehmen würde. Nach weiteren Stunden erlaubte ich mir endlich einzuschlafen. Ich erwachte bei Sonnenaufgang. Die Schamanen bedankten sich und beendeten die Zeremonie offiziell. Die Wirkung von Yage war abgeklungen und wir fuhren nach einem kurzen Frühstück wieder zurück.
Was ich Mitnahm
Die nächsten Tage fühlte ich mich wie nach einem langen Schlaf. Ich fühlte eine Abneigung gegen Alkohol und viele der Erkenntnisse halfen mir, mir über wichtige Dinge klar zu werden, die in meinem Leben anstanden. Und so wurde mir klar, dass es wichtig war, die gemachten Erfahrungen im Alltag und in dieser Welt umzusetzen und nicht die Erfahrung an sich als Heilungsprozess anzusehen.
Es würde keinen Sinn machen, eine solche Zeremonie zu wiederholen, ohne mit den Erkenntnissen gearbeitet zu haben, die man gemacht hat. Der Rauschzustand an sich mag Dinge öffnen, die einen im Leben weiterbringen, aber mit diesen muß man im Alltag arbeiten, von ihnen lernen. Ein reines Berauschen führt nicht nach vorne, kann einen nur überfrachten, blind machen. Die Droge zeigt Realitäten und Einsichten nicht um ihrer selbst willen, sondern um einen Weg zu zeigen, der im Alltag, in der Realität gegangen werden muß. So wird klar, was Drogenmissbrauch wirklich ist, nämlich die Berauschung nur des Rausches willens. Ich würde Yage auch nicht ohne die Anwesenheit von authentischen Schamanen nehmen, diese waren wie eine schützende Hand, eine Verbindung, die Sicherheit gab. So bin ich dankbar, all diese Erfahrungen gemacht zu haben.
Nachwort (2023)
Psychedelische Substanzen können ein heilsames Potential haben, wenn sie im richtigen Rahmen eingesetzt werden. Stanislav Grof hat an dem therapeutischen Potential von LSD geforscht, und auch die heilsame Wirkung von Ayahuasca und anderen Substanzen wird aktuell wieder intensiv untersucht. Das ist gut so, vielen Menschen scheint man damit helfen zu können, gerade dann, wenn andere Ansätze nicht greifen.
Wenn man selbst nicht in einer solchen Notlage ist, kann ein Ayahuasca-Ritual trotzdem sehr aufschlussreich und heilsam sein, zumindest ging es mir so. Empfehlen würde ich es trotzdem nicht, es sei denn, man weiß sehr genau, worauf man sich einlässt. Ich habe mich nach dem damaligen Event nicht mehr mit psychedelischen Substanzen beschäftigt, dieses eine Event war für mich absolut hinreichend. GMCKS schließt halluzinogene Drogen im Arhatic Yoga zudem explizit aus.
Man sollte sich fragen, ob man die spirituellen Konzepte hinter einer spirituellen Praxis respektiert und ernst nimmt. Das gilt für ein Schamanenritual genauso wie für Kräfte wie die Kundalini. Ich bekomme ähnliche Bedenken wenn ich Werbung für Kundalini-Yoga sehe. Wissen die Menschen, womit sie es zu tun haben? Wenn ich eine Energie wie Kundalini ernst nehme, sollte ich mir gut überlegen, ob ich dafür bereit bin, und mir eine Lehrerin oder Lehrer suchen, der weiß, wovon er redet.
Während der Ayahuasca-Boom in erster Linie die Campbesitzer aus dem Westen reich macht, ist die Sammlung der Zutaten in freier Wildbahn für die lokale Bevölkerung durch die massive Nutzung und den Export mittlerweile bedroht. Querubin Queta Alvarado ist jetzt fast 110 Jahre alt. Er ist besorgt über das Aussterben des Schamanenstamms: Die Ältesten sind weg. Wenn Taita Querubín stirbt, wer wird dann den Taita folgen, wer wird die Menschenrechte verteidigen? Eine Woche Camp kann schnell mal über 1000$ kosten. Für Taita Querubin werden dagegen Spenden gesammelt, damit er das Ende seines Lebens noch in Würde bestreiten kann.
Herzlich willkommen 2024! Ein ziemlich ereignisreiches Jahr ist vorbei. Und ein sehr hervorragendes Jahr, zumindest rein subjektiv. Den Jahreswechsel habe ich in Portugal verbracht.
Und kaum hat 2024 begonnen steht Deutschland wieder still, der nächste Bahnstreik steht vor der Tür, und Bauern pöbeln sich durchs Land. Fast vier Milliarden Menschen werden 2024 wählen. Und welche Wahl man auch immer betrachtet, es sieht meistens düster aus. Am meisten Sorge, neben den USA, machen mir die drei Landtagswahlen in Deutschland. In zwei davon liegen aktuell die Nazis vorne, in Brandenburg nur leicht hinter der SPD. Es fühlt sich an, als wäre man in einem drittklassigen SciFi-Comic aufgewacht.
Wir schreiben das Jahr 2024. Die Nazis übernehmen die Macht in der Berliner Republik. Höcke-Deutschland erwacht, und die Russen stehen vor Polen.
Verstörend, dass das keine absurde Dystopie mehr ist. Und die Deutschen schweigen, oder machen wieder lautstark-krakeelend mit. Wir wissen ja noch, wie es geht. Dieses Land wird jeden Tag unerträglicher.
Aber egal! Hauptsache der Sprit und das Schwein bleiben billig! Stehen wir bitte alle kurz auf und schwingen die Hüften mit Shirley Bassey.
Also zurück zum schönen 2023. Da bin ich ja ab März durch Europa gefahren.
Und da ich immer fleissig mit Swarm einchecke kann man sich das da ganz schön ansehen.
Mit den Top 5 Kategorien kann ich auch leben. Nur die Tankstellen tun etwas weh. Man sieht hier ganz schön, mein Herz schlug am meisten für Tarifa.
Tarifa
Supermärkte sind auf Platz 1, nicht überraschend. Da muss ich gleich an die aktuelle Insolvenz von Karstadt Kaufhof denken. Ich bin im Kölner Kaufhof ja sozusagen aufgewachsen. Da stimmt das schon etwas melancholisch. Ich habe mich bisher auch so gut es geht dagegen gewehrt, alles bei Amazon zu bestellen. Technische Sachen hab' ich seit Jahren bei Saturn gekauft, auch wenn die oft teurer waren. Aber Saturn hat es gerade mal wieder dermaßen vermasselt eine einfache Lieferung eines Ofens auf die Kette zu bekommen, ich hab' keine Lust mehr auf den Laden. Teurer sein und dann miesen Service bieten, das ist ein Nachteil zu viel. Ich kauf jetzt wieder alles bei Amazon. Die wissen halt, wie es geht. Schade irgendwie.
Zusammenfassungen sind ja auch was schönes. So habe ich wahrhaftig 212 Stunden (das sind 26,5 Arbeitstage) gezockt. Dank den Jungs von CV Gamer geht das ja auch unterwegs.
Die Playstation VR Brille macht in einem Van wenig Sinn wegen der Bewegungsfreiheit, aber zum Arbeiten im Van könnte eine solche durchaus interessant sein, vielleicht sogar eine Apple Vision Pro, die kann man ja bald vorbestellen. Mal sehen, ob ich eine bekomme. Applikationen wie immersed muss ich mir auch mal genauer ansehen. Ich hatte es ja schon mal angedeutet, ich habe mir einen eigenen Van bestellt, der wird Ende 2024 fertig, und der wird dann eine entsprechende Arbeitsumgebung/Studio und die Playstation fest integriert haben. Ich muss schon sehr grinsen, wenn ich nur dran denke.
Was hab ich noch gemacht? Ich bin so 230 km Onewheel gefahren (das muss mehr werden).
Drohne bin ich 223 km geflogen. Da kommt auch wirklich bald wieder ein Filmchen.
Ganz wichtig natürlich, die Musik! Leider veröffentlicht Tidal keine Rückblicke (mehr). Daher scrobble ich ich jetzt wieder auf good old last.fm. Aber auch eine Statistik, meine meistgehörten Musiker waren:
Ein wenig habe ich auch selber Musik gemacht, in erster Linie für die YouTube Filmchen. Also eher einfaches Gedudel, nur über das Lied hier bin ich ein wenig erfreuter, das hab ich am Gardasee erklimplert.
Genug des Rückblicks. Jetzt geht es nach Fuerteventura. Und dann wieder nach Berlin, bis mein Van fertig ist. Berlin ist ja auch eine schöne Sache. Bisher zumindest. Noch weht am Reichstag ja die richtige Fahne. Ein wenig Reisen werde ich wohl trotzdem dieses Jahr, ich hab' ja auch keine Wohnung mehr in Berlin (aber einen Koffer). Es bleibt also Driven Like The Snow.
Still night, nothing for miles
A white curtain come down
Kill the lights in the middle of the road
And take a, take a look around
It don't help to be one of the chosen
One of the few to be sure
When the wheels are spinning around
And the ground is frozen through
And you're driven like the snow
Pure in heart
Driven together